Kultur : Sag’ es mit Mozart

Jörg Königsdorf

über eine französische Tastenprinzessin Im Booklet ihrer Debüt-CD ist ein Foto abgedruckt, auf dem Lise de la Salle ein Plakat über dem Kopf hält: „L’essentiel est que je communique“ steht in großen, krakeligen Buchstaben drauf, was so viel heißt wie: Das Wichtigste ist, dass ich etwas mitteile. Diesen Satz könnte man natürlich als Mahnung in jedem Konzertsaal aufhängen, aber auf der CD, die im vergangenen Jahr bei der kleinen französischen Firma Naive herauskam, konnte man feststellen, dass die damals erst 14-Jährige dieses Motto auch wirklich beherzigt hatte: Ravels Sonatine beispielsweise ging sie ganz ohne Klavierstunden-Biederkeit an und füllte das neoklassische Formgerüst mit unverkrampfter Spiellust, Rachmaninows Etudes tableaux malte sie als klangtiefe, seelenvolle Stimmungsbilder aus.

Angesichts von Legionen gedrillter Wunderkinder, die ihre Liszt-Etüden mit technischer Perfektion und künstlerischer Leere absolvieren, war das durchaus erfrischend: Einmal jemanden zu hören, dem das Klavierspielen tatsächlich Spaß zu machen schien – ein Eindruck, der sich übrigens auch live bestätigt. Die Möglichkeiten, die Tastenprinzessin im Konzert zu hören, sind bislang allerdings rar, damit das immense Talent nicht durch Routine austrocknet und die Fähigkeit zur Selbstkritik nicht durch die Beifallsstürme des Publikums verkümmert.

Ihr Auftritt bei young.euro.classic am Freitag im Konzerthaus ist daher nicht nur für das Festival, sondern auch für sie selbst noch etwas Besonderes. Sympathisch obendrein, dass de la Salle nicht versucht, mit einem romantischen Konzertreißer zu blenden, sondern sich ein Werk ausgesucht hat, bei dem kein Verstecken hinter furiosem Oktavengedonner und blitzenden Tonkaskaden möglich ist. Bei Mozart wird nun mal schonungslos hörbar, ob ein Musiker etwas zu sagen hat, ob er seinen Part mit Seele oder wenigstens mit Geschmack füllen kann. Begleitet wird de la Salle im d-moll-Klavierkonzert übrigens vom Stuttgarter Opernchef Lothar Zagrosek , der zuletzt an der Deutschen Oper mit dem „Idomeneo“ bewiesen hat, dass auch ihm zu Mozart einiges einfällt. Und das ist schließlich das Wichtigste.

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