Kultur : Salzburgs Pläne für die Festspiele 2013

Wer die Vorstellung seiner Saisonpläne mit der Formel „Habemus Jedermann“ eröffnet, leidet wahrlich nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Das hat Salzburg als einziges wirklich internationales Festival auch gar nicht nötig. Besucher aus 78 Nationen erlebten 2012 die gut 250 sommerlichen Aufführungen an der Salzach in den klassischen Sparten Oper, Konzert und Schauspiel. Das Programm für 2013 stellten Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadtler, Intendant Alexander Pereira und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf nun am gleichen Tag sowohl in Salzburg als auch in Berlin vor, bevor sie zu weiteren Pressekonferenzen nach Moskau, Sao Paulo und Peking eilen.

Natürlich haben sie im Jubiläumsjahr der Opern-Giganten Werke von Wagner und Verdi dabei. Das Bayreuther „Parsifal“-Team Stefan Herheim und Daniele Gatti bringen „Die Meistersinger von Nürnberg“ ins Große Festspielhaus, Peter Stein inszeniert Verdis „Don Carlo“ mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros (Dirigent Antonio Pappano), während Zubin Metha den „Falstaff“ einstudiert (Regie Damiano Michieletto). Konzertante Aufführungen erleben „Rienzi“ sowie Verdis Frühwerke „Giovanna d’Arco“ und „Nabucco“. Sven-Eric Bechtolf und Franz Welser-Möst beginnen mit „Così fan tutte“ eine neue Sicht auf Mozarts da-Ponte-Opern. Das Gespann hatte den Zyklus bereits am Opernhaus Zürich erarbeitet, als der Intendant dort noch Pereira hieß. Bewährte Kräfte werden sich auch der Gegenwartsopernproduktion widmen. Nachdem György Kurtág sein Auftragswerk nicht rechtzeitig fertigstellen konnte, präsentiert Salzburg mit Harrison Birtwistles 1991 uraufgeführtem „Gawain“ eine moderne Gralsritter-Oper – durchaus als Alternative zu Wagner zu verstehen. Die Produktion liegt in den Händen von Ingo Metzmacher und Alvis Hermanis, die in diesem Jahr mit Zimmermanns „Die Soldaten“ einen Festivalerfolg verbuchen konnten.

Nikolas Harnoncourt eröffnet die Festspiele am 19. Juli mit „Der Schöpfung“ und wird alle Haydn-Oratorien dirigieren. In der „Ouverture spirituelle“ treffen christliche Kompositionen auf buddhistische Liturgien. Das venezuelanische Jugendprojekt „El Sistema“ gibt umfassenden Einblick in seine bahnbrechende Arbeit und wirkt unter Gustavo Dudamel auch an der Aufführung aller Mahler- Symphonien mit. In Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin setzt Michael Thalheimer Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ in Szene.

Ach ja, der neue Jedermann heißt Cornelius Obonya. Für die Neuinszenierung des Klassikers auf dem Salzburger Domplatz wurden Julian Crouch („Shockheaded Peter“) und der Freilufttheater-Spezialist Brian Mertes engagiert. UA

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