Satire : Das Leben könnte so schön sein

Moritz Rinke schreibt für Horst Seehofer an die Ex-Freundin.

Seehofer
Horst Seehofer. -Foto: ddp

Moritz Rinke schreibt für Horst Seehofer an die Ex-Freundin.





Liebe Anette,

ich schreibe dir aus Ingolstadt, wo ich viel über dich nachdenke. Da ich dir bisher nur durch „Bild“ mitteilen konnte, dass ich mich von dir trenne und zu Karin nach Ingolstadt zurückkehren muss, möchte ich nun persönlich werden. In Berlin habe ich am Vorabend meines Entschlusses lange mit Angela Merkel über dich gesprochen. Es war ein vertrautes Gespräch. Zwischendurch rollte Wolfgang Schäuble herein, um mitzuteilen, dass er von seinem finalen Todesschuss nicht abrücke. Ich sagte: „Wolfgang, ich vermisse in deinen Plänen die Verhältnismäßigkeit. Natürlich braucht das Land einen Innenminister, der sich über die Sicherheit der Bürger Gedanken macht, aber stell dir mal vor, deine Frau fliegt, ohne es zu wissen, zusammen mit Osama bin Laden, was dann? Holst du sie am Flughafen ab oder schießt du sie ab?“

Schäuble drehte ganz hektisch an seinen Rädern, rollte einmal um Merkel herum und sagte: „An deiner Stelle, Horst, wär ich mal ganz still und würde lieber mal in Ingolstadt reinen Tisch machen, sonst mach ich bei dir eine Online-Untersuchung!“ Merkel sagte: „Wisst ihr was, ich bin noch von Polen ganz erschöpft!“, und schob Schäuble einfach raus. Er schrie noch dreimal „Finaler Schuss, finaler Schuss, finaler Schuss!“, dann war Ruhe.

Merkel sprach sehr schön von dir, auch von Anna, unserem Baby. Schade, dass sie kein Baby hat, ein Merkelbaby, finde ich, fehlt Deutschland, und ich war in dem Moment froh, dass es nun ein Seehoferbaby gibt in Deutschland, doch plötzlich kam jemand rein und sagte zu Merkel: „Vattenfall!“ Dann wurde das Gespräch durchgestellt, und jetzt halt dich fest: Die Dübel in Krümmel und Brunsbüttel sind zwar total marode gewesen, aber jetzt hat Vattenfall das Akw Biblis A und Neckarwestheim verpetzt, dass bei denen ständig die Notkühlung ausfalle und die Reaktorkerne schmelzen! Weißt du, was das heißt? Ich war mal Gesundheitsminister, ich möchte nicht, dass das Seehoferbaby in so einer Welt lebt! Alles ist marode! Wenn unser Kind Fahrrad fahren will, muss es dopen, wenn es eine Lampe anmacht, schmelzen die Reaktorkerne, und wenn es mit Osama bin Laden fliegt, schießt es Schäuble ab! Bitte wechsele zu Yellow Strom! Gut, gelb, günstig! Das Leben könnte so schön sein. Gerade versinkt die Sonne hinter der Moritzkirche, sie wurde dem heiligen Mauritius geweiht und ist eine dreischiffige gotische Basilika. Magst du Gotik? Wir haben nie darüber gesprochen.

Ich muss Schluss machen, Karin schreit die ganze Zeit „Essen! Horst, Essen!“ Suppenhuhn! Ach, Berlin ... „Nach Berlin!“, heißt es bei Leo Tschechow, aber ich bin in Ingolstadt, wo die Sonne nun endgültig hinter der Basilika versinkt. Hinter der Basilika ging Franz Beckenbauer in ein Internat. Karin ruft schon wieder. Ich muss essen, Anette. Du kannst ja Harry Potter lesen.

Dein Horst

PS: Lösche bitte alle E-Mails, die ich dir geschrieben habe. Bei Schäuble weiß man nie! In Zukunft melde ich mich aus dem Internetcafé unter erwin_huber_ist_doof@freenet.de. Weißt du, was die Merkel über Gabriele Pauli sagt: „Latex-Luder, wehe, wenn die nach Bayreuth kommt!“, wunderbar, was? Dieses Latex-Luder!!! Na, warte du, du Latex-Luder!!!! Pardon. Ich muss Schluss machen, Anette.

Forever, Seehofer!

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