Adel berichtet Folge  50 : Völlig divenhaft

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt. Heute: Wie er mit seinem Dackel das BER-Desaster an Hollywood verkaufen will.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ich bin schwer enttäuscht von Frank Henkel! Da lässt unser Innensenator ohne Zögern die Wohnungen von mehreren Fotografen durchsuchen, die eventuell und auch nur zufällig Bilder von einer Demo besitzen, die den Angreifer eines verletzten Polizisten identifizieren könnten.

Aber auf meinen mehrfachen Hinweis per Facebook, SMS und Fleurop, dass der Volontär zweifellos kompromittierendes Bildmaterial von mir und meinem Jungdackel Taxi von der Weihnachtsfeier besitzt und mich damit wiederholt um zweistellige Beträge auf meiner Kantinenkarte erpresst, reagiert er: gar nicht! Dabei habe ich extra dazu geschrieben, wo der Volo wohnt. Und ja, den Aufzug in seinem Haus habe ich natürlich auch vermessen: Wenn man ihn hochkant reinstellt, ist das gar kein Problem mit dem Rammbock.

Ich weiß nicht, wie’s Ihnen geht, aber für mich ist das absolut verhältnislos. Man kann nur mutmaßen, was passiert wäre, wenn es nicht etwa ein Pförtner, sondern ein Polizist gewesen wäre, der sich auf der Weihnachtsfeier die Hand verstaucht hat beim Versuch, Taxi und mich und die 60-seitige Liste mit allen Abonnentinnen namens Monique vom Redaktionsdach zu, naja, aber ich will mich jetzt nicht in Details verlieren.

Außerdem gilt es, den Blick nach vorn zu richten. Zum Beispiel auf das Drehbuch über die BER-Katastrophe, das Taxi und ich jetzt auf der Berlinale endlich an Hollywood verkaufen wollen. Die zunächst favorisierte Zusammenarbeit mit George Clooney können wir uns aber nicht mehr vorstellen: Es ist einfach ungünstig für den kreativen Prozess, wenn wir uns George nur noch auf 50 Meter Entfernung nähern dürfen, wie er nun gerichtlich veranlasst hat. Völlig divenhaft: nur wegen drei aufgebrochenen Hoteltüren, einer fehlenden Ananas und – angeblich – Hundehaaren im Bademantel.

Jetzt ist natürlich blöd, dass unsere Berlinale-Akkreditierung abgelehnt wurde: aus „Sicherheitsgründen“. Hängt im Cinemaxx etwa immer noch das Foto von mir mit dem Camcorder an der Kasse – darunter der Vermerk: „Diesen Typen nie mehr reinlassen“? Dabei ging es mir seinerzeit nur darum, am nächsten Tag die wichtigsten Textstellen für die Rezension parat zu haben. Aber keine Sorge: Taxi ist gerade los und besorgt zwei von diesen grünen Ganzkörperanzügen, die wir beim Making-of vom Hobbit gesehen haben und auf die man jede beliebige Silhouette projizieren kann. Jetzt muss ich mir nur noch die passende App runterladen, und dann gehen wir verkleidet: als Angelina Jolie!

Hochachtungsvoll,

Ihr

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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