Adel berichtet Folge 59 : Dumm spickt gut

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt. Heute: Wenn elektronische Hilfsmittel zum Problem werden.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ach, wie schnell sich die Dinge ändern! Ich hab es jetzt gerade erst wieder bemerkt, als ich über Manipulationsversuche in Berliner Abiturprüfungen gelesen habe. Ich musste ja damals noch mühevoll alle 32 Bände vom Brockhaus, das Schulskelett und einen Philosophiestudenten auf der Toilette verstecken. Heutzutage dagegen genügt ein Klick auf dem Smartphone, und sofort werden in Indien fünf Leute geweckt, die drei Seiten über die Mängel in der Verfassung der Weimarer Republik schreiben, das Ganze sauber im E-Mail-Postfach ablegen und einem nicht gleich nach der Prüfung mit dreieinhalb Adorno-Zitaten und einem roten Käfer-Cabrio Lisa aus der 10b ausspannen. Was war das peinlich, als ich danach mit dem Skelett zum Abiball musste!

Auch an der Hundeschule meines Jungdackels Taxi sind elektronische Hilfsmittel ein ernst zu nehmendes Problem: Erst letztes Jahr wurde einem Jack-Russell-Terrier das Diplom aberkannt, weil er den Postboten für die Abschlussprüfung gar nicht selber gefangen, sondern vorher im Internet bei einem Stripper-Verleih bestellt hatte. Und letzte Woche wurde ein Schäferhund der Schule verwiesen, weil er die zwei Einbrecher gar nicht verjagt, sondern nur auf Facebook mit einem Shitstorm eingeschüchtert hatte.

Dackel sind ja sehr prinzipienfeste Hunde: Um unehrliche Klassenkameraden an die Leine zu legen hat Taxi mich dazu überredet, ihm einen mobilen Störsender für Handy-Funkwellen zu kaufen. Das Blöde ist nur: Die große Antenne auf seinem Kopf stört beim Harfe-Üben, und das – mal unter uns – sollte eigentlich gerade seine Toppriorität sein, wenn wir mit unserem gemeinsamen Wohnzimmerkonzert an diesem Wochenende nicht komplett baden gehen wollen.

Als Taxi mir vorigen Monat das Anmeldeformular für das Festival „Cosy Concerts“ hingeschoben hat, das heute und morgen noch in Berliner Privatwohnungen stattfindet, dachte ich ja eigentlich, ich unterschreibe nur seine Vollmacht für unsere Stiftung auf den Caymans. Aber dann kriege ich plötzlich die Besucherliste mit den Namen von 35 Musikliebhabern, die sich schon wahnsinnig auf unsere Interpretation des Bebauungsplans des Alexanderplatzes in Zwölftonskalen freuen. Und genau gleichzeitig wird bekannt, dass der jetzt doch wieder geändert wird! Weil die Hochhäuser nun doch nicht gebaut werden sollen, muss die Welt also vorerst auf Taxis engelsgleiche Sopranstimme verzichten. Immerhin, gerade noch rechtzeitig: Heute wäre der Termin zum Kastrieren gewesen.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Hochachtungsvoll,

Ihr Cedric

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