Kultur : Schalom

Young Euro Classic: Israel begegnet Deutschland

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Der Komponist ist 17 und er schreibt ein Streichsextett mit der schlichten Bezeichnung Lento. Was Michael Cohen-Weissert, geboren in Jerusalem, zur Uraufführung im Konzerthaus anbietet, ist eine polyphone Träumerei, eröffnet vom Cello, überhaupt verliebt in die tiefen Streicher, inspiriert durch ein Gedicht von William Wordsworth. Kompositorisch erscheint der ausgebildete Pianist mit den Saiteninstrumenten so vertraut, dass sich seine Fantasie an deren technischen Möglichkeiten erfreut. Er studiert heute am Julius-Stern-Institut der UdK Berlin, wo seit 2008 musikalischer Austausch mit dem Jerusalem Music Centre gepflegt wird. Aus dem Kontakt der Studierenden hat sich „Schalom Berlin“ ergeben und nun bei Young Euro Classic präsentiert.

Als Abendpate der „Begegnung Israel–Deutschland“ betont Frank-Walter Steinmeier Verantwortung für Nahost und Vertrauen in die Kraft der Kultur. Bemerkenswert, wie Cohen-Weissert für eine ganz unprätentiöse, junge Haltung einsteht. Vorwiegend kammermusikalisch, zieht sich das Programm über fast drei Stunden hin. Nach einem Klavierquartett, in dem der frühe Mahler singt und stürmt, und einer volkstümlichen Serenade von Kodály blickt mancher auf die Uhr. Denn vor die Pause haben die Planer noch aus vollem Herzen das ausgreifende Oktett von Mendelssohn gesetzt. Naturgemäß sind nicht alle Schüler so fortgeschritten, musikalisch zu führen, aufregende Interpretationen daher selten.

Jedoch in den schnellen Sätzen, auch des dritten Brandenburgischen Konzerts, imponiert Ensemblearbeit. Es hätte Paul Ben-Haim sicher gefallen, im Anschluss an ein Werk von J. S. Bach gespielt zu werden. Denn sein Konzert für Streicher (1947), das Zvi Carmeli dirigiert, wahrt die Klarheit des Vorbildes in Verbindung mit Nahöstlichem. Wer in diese Musik hineinhorcht, wird vielleicht mithören, dass Ben-Haim als Paul Frankenburger in München und Augsburg zu Hause war, bevor er einer der führenden Komponisten Israels wurde. Sybill Mahlke

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