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Schauspieler und Regisseur : Theaterpreis Berlin 2017 geht an Herbert Fritsch

Lange war er Schauspieler an der Berliner Volksbühne, dann feierte er als Regisseur und Bühnenbildner Erfolge. Herbert Fritsch erhält den Theaterpreis Berlin 2017.

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Herbert Fritsch, Schauspieler und Regisseur in den Werkstätten der Berliner Volksbühne.
Herbert Fritsch, Schauspieler und Regisseur in den Werkstätten der Berliner Volksbühne.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Endlich! Diese Auszeichnung war fällig. Mit Herbert Fritsch bekommt ein Künstler den Berliner Theaterpreis, der seit Jahrzehnten das Publikum beglückt. Der Preis, gestiftet von der Preußischen Seehandlung, wird beim Theatertreffen im Mai verliehen. 20.000 Euro Preisgeld, und die Laudatio hält Frank Castorf. Wenn das nichts ist!

Bei Castorf an der Volksbühne hat er erst als Schauspieler gegiftet und geglänzt, charmiert und provoziert mit seinem unverwechselbaren Grinsen, bevor er, nach einer dunkleren Zeit, seinen Weg als Regisseur fand. Es ging über Oberhausen und Luzern, Halle und Schwerin dann wieder an die Volksbühne, in einer triumphalen Rückkehr. Fritsch hat nicht nur diesem Theater Spiel und Freude wiedergegeben. Er hat ein brillantes Ensemble von Artisten aufgebaut, das jetzt an der Schaubühne – Thomas Ostermeier sei Dank! - eine neue Heimat findet. In Fritschs Inszenierungen, für die er immer auch das besondere Bühnenbild entwirft, hat sich der alte Volksbühnen-Anarchismus in neue ästhetische Formen verwandelt.

Ein großer Komiker

Die Theaterpreis-Jury formuliert es so: „Im Zentrum seiner Regiekunst stehen die Körper seiner Spieler – in ihrer komischen bis grotesken Überzeichnung, in ihrem Verhältnis zum Bühnenbild, aber auch in ihren physischen Besonderheiten und Formalisierungen durch die Kostüme und Masken von Victoria Behr. Was Fritsch und seine tollen Truppen aus diesen Körpern herausholen, hat weit mehr mit Choreografie, Physik und deren Überwindung zu tun als mit Narration und Psychologie.“

Damit stellt sich der Regisseur in die Tradition der den Unsinn feiernden Avantgardekünstler und Sprachmaterialisten, die er als Autoren für die Bühne wiederentdeckt und deren verbale Spielbälle er mit Hilfe des Bühnenkomponisten Ingo Günther in Musik verwandelt.“ Der Jury gehörten Barbara Frey, die Intendantin des Schauspilelhauses Zürich, Wilfried Schulz, der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Theaterkritikerin Eva Behrendt sowie der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender an.

Fritsch hatte gerade am Wiener Burgtheater mit Shakespeares „Komödie der Irrungen“ Premiere. So ist er. Irre. Ein großer Komiker. Und ein heftiger Melancholiker, wenn man sich den Konrad-Bayer-Abend „der die mann“ anschaut oder seine Abschiedsinszenierung an der Volksbühne, „Pfusch“. Jetzt aber einen dicken Tusch!

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