Kultur : Schauspielkunst mit Leidenschaft

Wenn er auf der Bühne steht, dann ist es Leidenschaft pur. Ulrich Matthes, von einer unabhängigen Kritikerjury zum "Schauspieler des Jahres" gewählt, geht wie kaum ein anderer in seinen Rollen auf.

Berlin (09.09.2005, 09:18 Uhr) - Für seine Darstellung des George in Edward Albees zeitlos-berühmtem Stück «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» erhielt er nun die undotierte und doch heiß begehrte Auszeichnung der Fachzeitschrift «Theater heute». An der Seite von Corinna Harfouch begeisterte der 46-Jährige am Deutschen Theater Berlin in dem Ehedrama, das in der Filmversion schon Elizabeth Taylor und Richard Burton berühmt gemacht hat. Auch den Gertrud-Eysoldt-Preis 2005 hat Matthes für diese Rolle erhalten.

Doch nicht nur von der Bühne, auch von der Kinoleinwand ist Matthes nicht mehr wegzudenken. In Bernd Eichingers Hitler-Film «Der Untergang» war er neben Harfouch und Bruno Ganz als NS- Propagandaminister Joseph Goebbels zu sehen. Dabei interessierte ihn vor allem das «Unerklärbare und Monströse» an der Geschichte über die letzten Tage im «Führerbunker».

In «Der neunte Tag» (Regie: Volker Schlöndorff) porträtierte er nach wahren Aufzeichnungen einen katholischen Priester, der aus dem KZ Dachau auf Urlaub entlassen und in Versuchung gebracht wird, den Interessen des Dritten Reiches zu dienen. Für diese Rolle wurde er als bester männlicher Hauptdarsteller für den Deutschen Filmpreis nomminiert.

Parallel dazu trat Matthes am Deutschen Theater Berlin auf, wo er seit der Saison 2004/05 festes Ensemblemitglied ist und auch schon Regie führte. Als Major von Tellheim spielte er mit TV-Star Martina Gedeck in Lessings «Minna von Barnhelm». Am 16. September hat dort auch sein neues Stück Premiere: Matthes verkörpert den Shylock in Shakespeares «Der Kaufmann von Venedig».

Schon als «Jungstar» des bundesdeutschen Theaters machte der Schauspieler vor 20 Jahren auf sich aufmerksam. Zur Schauspielerei kam der junge Matthes, Sohn eines scharfzüngigen Berliner Journalisten im Nachkriegs-Berlin, nach einem Vorsprechen beim Berliner Staatsschauspieler Martin Held vom Schiller-Theater. Nach ersten Gehversuchen in der Provinz 1983 ging es rasch aufwärts mit der Karriere über das Bayerische Staatsschauspiel und die Berliner Schaubühne bis zum Deutschen Theater.

In den 90er Jahren war Matthes ein wichtiger Protagonist an der Schaubühne am Lehniner Platz. Dort spielte er unter der Regie von Andrea Breth unter anderem in «Nachtasyl», «Hedda Gabler», die Titelrolle in «Orestes» und den Kostja in «Die Möwe». Auf der Leinwand fiel er in Filmen wie «Nikolaikirche» von Erich Loest (1995) oder «Winterschläfer» von Tom Tykwer (1997) auf. Auf dem Bildschirm war er unter anderem in «Abgehauen» (1998) nach Manfred Krug und Heinrich Breloers Zweiteiler «Todesspiel» über den «deutschen Herbst» 1977 und das RAF-Attentat auf Hanns Martin Schleyer zu sehen. (Von Elke Vogel, dpa)

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