Kultur : Schmalz steht ihm nicht

PETER SÜHRING

Jeder ist ein Erster unter Gleichen in diesem Trio und das gibt diesem Ensemble seine einzigartige triagonale Stabilität.Der stehende Geiger Daniel Gaede postiert sich nach hinten versetzt in die Mitte, will hier nicht der Primarius sein, den man erwartet, der stehende Bratschist Thomas Selditz operiert vorne links - beide werden in ihrer Bewegungsfreiheit tänzerisch, während der Cellist Andreas Greger rechts außen trotz großer Tanzlust eher die Bewegung sammelt und erdet.Unter den wenigen Ensembles für diese Besetzung hat sich in kurzer Zeit das Gaede Trio exponiert und konnte mit dem Konzert im Apollo-Saal der Lindenoper seinen guten Ruf nur festigen.

Exponiert, allerdings mit bis heute ungefestigtem Ruf, hatte sich auch Hanns Eisler 1934 mit dem "Praeludium und Fuge über B-A-C-H für Streichtrio, op.46".Hier unterwarf er Glanz und Elend einer "Komposition mit 12 nur aufeinander bezogenen Tönen" dem berühmten Eisler-Test.Kann man damit Musik schreiben, die allein durch Hören verständlich und nicht ausschließlich dissonant ist, oder können Sie etwa die Umkehrung des Krebsgangs einer 12-Ton-Reihe hören? Schon die ersten vier Töne dieser Reihe enthalten ja einen als Äolisch-Moll interpretierbaren Intervall, dessen Konsonanz Eisler im Rahmen der 12-Ton-Mutationen weidlich ausschlachtet.

Der dem Gaede Trio zurecht nachgesagte hohe klangliche Verschmelzungsgrad kann natürlich manchen Werken auch zum Nachteil gereichen.Die Stimmen in Eislers Trio, auch dem Scherzo von 1920, hätte man tatsächlich etwas analytischer heraushören wollen.Seltsam, daß bei Eisler überzogener Ausdruck mit Vibrato immer gleich hysterisch und schmalzig wirkt, was nun gar nicht zu ihm paßt.In dem Trio des belgischen Virtuosen Eugène Ysaÿe, der aber selber auch wagemutig komponierte, erreichen die flirrende Klangdichte und -fülle solche Gewalt, daß man sich vergewissern mußte, ob da wirklich nur drei Musiker vorne stehen.Gaedes Phrasierungskunst, auslaufende Linien wie Vorhalte einer neuen Phrase sich verjüngen zu lassen, konnte hier bewundert werden.Beethovens D-Dur Trio mit dem Titel "Serenade" wurde als kammermusikalische siebensätzige Apotheose des Tanzes zelebriert, besonders dynamisch ausstaffiert die melancholischen Schreittänze in der Mitte.

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