Kultur : Schöner die Löffel nie klappern

Bodo Mrozek

Einer der schönsten Filme des neueren deutschen Kinos war „Schultze gets the Blues“. Er handelt von einem gerade pensionierten Mann, der ein alterstypisches Hobby hat: Blasmusik. Eines Tages hört er im Radio eine seltsam getragene, leicht leiernde Weise und weiß, dass er sein Leben ändern muss. Er hat sich in die Cajun-Musik verliebt.

Cajun kommt aus den Swamps, den Sümpfen von Louisiana. Französische Siedler brachten nicht nur ihre Muttersprache mit, sondern auch ihre Instrumente, Geige und Akkordeon. Eigentlich ist Cajun Hausmusik. Die Familien spielen sie, wenn sie abends auf der Veranda sitzen und die Mücken über dem Moor tanzen. Die Löffel, mit denen sie eben noch ihren Jambalaya-Eintopf aßen, werden seit Generationen dazu benutzt, den Rhythmus zu klopfen. Die Texte dieser Gebrauchsmusik handeln vom Alltag: von der Arbeit, der Liebe natürlich, manchmal aber auch ganz französisch nur vom guten Essen. Die Sprache ist ein altertümliches Französisch, das sich die Acadiens auch noch bewahrten, als Napoleon ihr Land am Mississippi längst an die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft hatte. Aus dem Land Acadia, das an der heutigen kanadischen Grenze liegt, vertrieb man sie in die Sümpfe der Südstaaten.

Bei der Berliner Band Colinda gehört „Jambalaya“ fest ins Programm. Sie ist eine der ganz wenigen Berliner Cajun-Bands, die auf traditionellen Instrumenten spielt. Gelegentlich tritt sie in den In-Clubs der Berliner Mitte auf, besser allerdings ist es, sie heute im Celtic Cottage (Markelstr. 13, 20 Uhr) in Steglitz zu hören. Einmal, weil Steglitz vergleichsweise wenig Ausgehmöglichkeiten bietet, und zum anderen, weil sich dort oft auch Cajun-Tänzer einfinden, die vielleicht sogar den Cajun-Jitterbug beherrschen. In solchen Tänzen finden die Cajun-Fans ihr Acadia – so wie Schultze im Film. Da ist Arkadien nicht fern, das Paradies.

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