Kultur : Schöpfung im Quadrat

Karl-Heinz Adlers Konkrete Kunst

Michael Zajonz

Die Kunst im Leben ankommen zu lassen war ein Traum der Moderne. In der DDR war das noch utopischer als im Westen. Ein paar Unbeirrbare haben es dennoch versucht, auf eigenes Risiko und über Umwege. Zum Beispiel Karl-Heinz Adler: Zwischen 1962 und 1982 hatte der in Dresden lebende Künstler keine einzige Einzelausstellung. „Formalistisch“ nannten die Funktionäre seine konstruktiv-konkreten Reliefs, Collagen und Zeichnungen und behinderten öffentliche Auftritte. Als Künstler hatte er im Osten keine Chance.

Und doch kam jedes DDR-Kind mit der Konkreten Kunst des 1927 geborenen Vogtländers in Berührung. Mit Friedrich Kracht entwickelte Adler in den sechziger Jahren Formsteine aus Beton. 1970 gingen die Quader mit der geometrisch elegant gekurvten Oberflächenstruktur in Großserie. Spielplätze und Grünanlagen wurden damit umfriedet, ganze Fassaden verkleidet. Etwa am Hotel Newa in Dresden, das inzwischen unter Denkmalschutz steht. Seit den neunziger Jahren wird Adler endlich auch vom Kunstbetrieb wahrgenommen.

Die Galerie Barthel + Tetzner bietet nun eine Mini-Retrospektive. Die älteste Arbeit, die Papiercollage „Geschichtete Dreiecke“ (4800 Euro), datiert auf 1958, die Serie der „Zerstörten Quadrate – neu formiert“ aus bunt bemalten Spanplatten entstand in den letzten Jahren (je 2800 Euro). Dazwischen liegen „Serielle Lineaturen“, großformatige Zeichnungen, auf denen sich Geraden und Strecken in Punkten begegnen. Klingt nach trockener Geometrie und strahlt wie die Schöpfung an ihrem ersten Morgen (entstanden 1967/68, je 1800 Euro). Seine Kunst sei, so Adler, wie jede Weltanschauung „mit Ordnen verbunden“.

Den Ausstellungstitel „konkrete illusion“ hat er selbst gewählt. Er ist Programm. Schon bei den frühen „Schichtungen“ fügen sich seriell überlagernde Quadrate, Dreiecke oder Halbkreise zu neuen Formen. Der Blick verschiebt sich, pendelt, kreist – und lässt Bewegungsillusionen zu. Spielerisch auch die Materialwahl: Mit Sperrholz, Blech, bedruckten Buchseiten oder transparenten Folien schafft Adler stoffliche Präsenz: von dick bis dünn, von warm bis kalt. Sinn und Sinnlichkeit – bei Karl-Heinz Adler ist das kein Widerspruch.

Galerie Barthel + Tetzner, Fasanenstraße 15, bis 7. Oktober; Dienstag bis Freitag 14 – 19 Uhr, Sonnabend 11 – 15 Uhr.

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