Kultur : Schrauben & scheppern

Bodo Mrozek

verteidigt die letzte Männerbastion Eine der letzten Bastionen ungestörter Männlichkeit ist die Garage. Aus den mit Eisengewichten karg möblierten Krafträumen haben uns die Frauen bereits verdrängt, in die stinkenden Zigarrensalons sind sie vorgedrungen, und vermutlich werden bald auch noch Fuß- und Achselspray von Unisex-Produkten ersetzt. Nur in der Garage darf der Mann noch Mann sein. Hier atmet Mann nicht nur das herbe Aroma von Getriebeöl und Achsfett, seit Jahrzehnten ist die Garage auch ein Ort der Männermusik. Fordismus, Taylorisierung und Manchestertum wurden hier von Halbwüchsigen mit scheppernden Gitarrensaiten und rumpelnden Trommeln vertont. „Garage“ ist seitdem auch Synonym für eine handgeschraubte Musik, bei der es weniger auf Wohlklang als auf Lautstärke und Umdrehungen ankommt.

So auch bei den Garagedays (7. bis 9.10.) im Roadrunner’s Paradise . Der Club im dritten Hinterhof der Saarbrücker Str.24 (Prenzlauer Berg) ist gleichzeitig Werkstatt. Während im Hintergrund an Indian- und BSA-Maschinen geschraubt wird, befindet sich gleich nebenan eine gut ausgestattete Bar nebst geräumiger Bühne. Das Projekt Kotelett, die Egyptian Gay Lovers und die Hippiepriests bieten Hamburger Garagenpunk mit deutschen Texten zur Einstimmung, und am Sonnabend feiert Berlins legendäre Garagenband The What...For! ihr 20. Bühnenjubiläum. Der Höhepunkt aber dürften die John Schooley (Sonnabend) und die US-Band The Guilty Hearts (Sonntag) sein. John umgibt sich gerne mit als Matrosen verkleideten Musikerinnen. Und tatsächlich ist die Garage längst keine reine Männerbastion mehr – wie schon die wegweisenden Platten „Girls in The Garage“ und „From the Kitchen to the Garage“ bewiesen. Die beste Musik machen dort nämlich oft die Mädchen. Nur die Drecksarbeit überlassen diese meist noch den Männern – klugerweise.

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