SCHREIB Waren : Literatur für alle

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Man möchte als konservativer Buchmensch ja am liebsten die Augen davor verschließen, weil diese Fragen so öd sind und man sich unrettbar in der Komplexität dieses weiten Feldes verirren kann. Ändert freilich nichts, das Thema liegt in der Luft und kommt auch noch immer näher: Urheberrecht und Internet, oder auch: Geistiges Eigentum im Web 2.0. Wie hältst du es mit der Kulturflatrate oder mit Google Book Search? Kündigt sich in der „Sharing-Kultur“ mit ihren Mash-Ups ein neues, superkreatives Zeitalter der Collage an, also so etwas wie „Dada.2.0.“? Zum Glück gibt es Internetaktivisten und Medienanwälte und Projektmanager, die mehr von der Materie verstehen. Am Mittwoch diskutieren dazu Kathrin Passig, Mathias Schindler von Wikimedia, der verlegerische Geschäftsführer des Aufbau Verlages René Strien und der Anwalt Alexander Unverzagt in der Literaturwerkstatt (Knaackstraße 97, 20 Uhr).

Auch die umsichtige Ulrike Draesner könnte zu diesen Fragen sicher Rede und Antwort stehen. Bekanntlich ist Draesner auch Literaturwissenschaftlerin, Philosophin, Dozentin, kennt also alle Facetten des Autor-Sein und ist als Gründungsmitglied des Poetikforums neuedichte.de mit den Feinheiten des Internets vertraut. Im Hauptberuf ist Ulrike Draesner aber noch immer Schriftstellerin und als solche stellt sie ebenfalls am Mittwoch, den 21.4., ihren neuen Roman „Vorliebe“ im Literaturforum im Brecht-Haus vor (Chausseestraße 125, 20 Uhr).

Ebenfalls im Literaturforum (20 Uhr) präsentiert Sigrid Löffler im Gespräch mit Susanne Kippenberger am Freitag, den 23.4., eines der interessantesten Bücher des vergangenen Herbstes, eine Briefauswahl von Martha Gellhorn. Bis vor einigen Jahren war Gellhorn hauptsächlich als Kriegsreporterin bekannt – und als kurzzeitige Ehefrau von Hemingway. Dank des Schweizer Dörlemann Verlages sind nun auch hierzulande die geschliffenen Erzählungen Gellhorns zu lesen. Sie spielen quasi auf der ganzen Welt, handeln meist von scheiternden Beziehungen und verströmen den etwas zweifelhaften Glamour von zu Überheblichkeit neigenden Weltenbummlern und abgewirtschafteten Kolonialisten. In den Briefen kann man nachlesen, wie hoch der Preis für Gellhorns mondänes Leben war. So perlend, mitreißend und lebendig sie von ihren Reisen und exotischen Wohnorten zu berichten wusste, so wenig konnte sie sich an Orte und Menschen binden.

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