SCHREIB Waren : Dessous und Kaufmannsgeist

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Bremen scheint sich auf der literarischen Landkarte zu etablieren. Hatte Sven Regener den Stadtteil „Neue Vahr Süd“ bekannt gemacht, lernt man nun in Ralph Dohrmanns „Kronhardt“ die Hansestadt in Gänze kennen. Hier spielt die Lebensgeschichte von Willem, der einen Stickereibetrieb erbt. Doch Willem ist kein natural born Unternehmer; lieber als dem Betrieb widmet er sich der Natur. Doch dann entscheidet er sich, den mysteriösen Tod seines Vaters aufzuklären. An diesem Dienstag liest der Autor aus seinem Debüt, in dem sich Familien- und Bildungsroman verbinden (20 Uhr, Brecht-Haus, Chausseestraße 125).

Wie Dohrmann ist auch Nora Bossong in Bremen geboren, ihr Roman „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ spielt aber in Essen. An Thomas Manns „Buddenbrooks“ erinnernd, geht es um den Niedergang des Kaufmannsgeistes über mehrere Generationen. Da ihr Vater verschwunden ist, muss Tochter Luise gegen den Konkurs des Textilunternehmens kämpfen: „Die Tage hinter seinem Schreibtisch fühlten sich beklemmend an, als trüge sie den Anzug eines Toten.“ Die Lesung findet am Donnerstag statt (20.30 Uhr, Buchhändlerkeller, Carmerstraße 1).

Beklemmend kann sich auch anfühlen, wenn frau die falschen Miederwaren trägt. Als Expertin blickt Heide Meyer in „Mutter Corsage“ auf ihre 52-jährige Geschichte als Dessousverkäuferin zurück. Bei der Buchvorstellung am Mittwoch wird es sicher auch um ihr Lieblingsthema – den BH – gehen: Materinstrument oder feminines Symbol? (20.15 Uhr, Lehmanns Media, Hardenbergstraße 5). Danach heißt es in Textilfragen nie mehr „bumms büst buten“ – bremisch für „schon bist du draußen“.

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