SCHREIB Waren : Öfter mal den Kopf verlieren

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Vergangene Woche ging es um das Schreiben zwischen verschiedenen Sprachen. Nun soll auch die Vereinheitlichung einer Sprache ihre Würdigung finden. Um die machte sich der Barockdichter Martin Opitz 1624 mit seinem „Buch von der Deutschen Poeterey“ verdient. Mit seiner Forderung, Dichtung habe den natürlichen Betonungen des Deutschen und nicht etwa lateinischen Vorbildern zu folgen, schuf er die Grundlagen für eine einheitliche Literatursprache. Am Dienstag um 20 Uhr stellen Michael Lentz, Wolfgang Kessler und Roswitha Schieb in der Literaturwerkstatt (Knaackstr. 97 / Kulturbrauerei) den Solitär vor, den seine Zeitgenossen als „Fürst und Phönix der Poeten“ titulierten.

Und hätte nicht auch Karl Theodor zu Guttenberg eine ähnlich schöne Bezeichnung verdient, etwa „Baron und Juwel der Wissenschaften“? Schließlich hatte er, die ersten Worte seiner Doktorarbeit „E pluribus unum – aus vielen eins“ getreulich umsetzend, viele fremde Texte zu einem Gesamttext vereinheitlicht. Doch statt schöner Titel: Doktorhut weg, Ministeramt weg, der ganze Mann irgendwie weg. Wie’s dies traurige Ende nehmen konnte, erhellen vielleicht Eckhart Lohse und Markus Wehner, die ihre „Guttenberg-Biographie“ am Dienstag um 20 Uhr im Heimathafen Neukölln (Saalbau Neukölln, Karl-Marx-Straße 141) vorstellen.

Oder wäre hier ein „Tragisches Lachen“ angebracht? Um Selbiges geht es am Mittwoch, 19 Uhr im oqbo – Raum für Bild, Wort und Ton (Brunnenstr. 63). Rita Bischof stellt ihr Buch über die Geheimgesellschaft Acéphale vor, die der Dichter Georges Bataille 1936 in Anlehnung an den Mythos der kopflosen Menschen etablierte. Kopflosigkeit meint hier nicht etwa unser alltäglich Tun und Treiben, sondern die Abschaffung aller Strukturen, die von einem Einzigen beherrscht werden. Ein Plädoyer also für Vielköpfig- und Vielstimmigkeit.

Schnörkellos geht es am Sonnabend um 21 Uhr im Kreuzberger Lokal Too Dark (Fürbringerstr. 20a) zu, wo Christian Kuempel Lyrisches vorträgt: „Fehlt dir das echte Risiko, Fehlt dir der Nervenkitzel? Dann geh doch in ein Fleischbistro und iss ein Schweineschnitzel.“ Vereinheitlichen wir glatt zu der Erkenntnis: Anständig essen war gestern. Heute heißt es: Reim dich oder ich fress dich!

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