SCHREIB Waren : Zwischen den Welten

Thomas Wegmann

Wir leben gerade dazwischen, zeitlich jedenfalls. Jahrestechnisch – und vielleicht auch mental – ist man ziemlich am Ende, aber auch fast schon wieder am Anfang. Da freut man sich über Veranstaltungen, die sich solchen und anderen Unschärfen widmen. Indem sie beispielsweise von Wesen handeln, die dauerhaft in einem Zwischenreich hausen, die sich da auskennen und den zwischen Heiligabend, Silvester und Neujahr herumtaumelnden Menschen ein wenig beruhigen. Vampire etwa. Bekanntlich leben sie dauerhaft im Dazwischen – falls das, was sie tun, überhaupt „leben“ genannt werden kann. Eigentlich sind sie ja weder tot noch lebendig, sondern schlicht „untot“.

Darüber weiß Dr. Mark Benecke bestens Bescheid, hat er doch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Vampire unter uns“. Der Kriminalbiologe berichtet darin etwa von der letzten Vampir-Enterdigung 2004 in Rumänien und führt ein Interview mit einem echten Vampir. Auch geht er dem neuen Trend der „gezähmten Vampire“ nach, geschaffen von der „Twilight-Saga“, die Vampire als keusche Familien darstellt. Wie passt das mit der Urvorstellung des Grauens und des Verbotenen zusammen?

So oder so wird schnell klar: Vampire sind mehr als literarische Fiktionen. Es gibt sie, und eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind erschöpft, es fehlt ihnen Energie, und die müssen sie sich holen. Wie, das erzählt Mark Benecke am Donnerstag um 19 Uhr (Last Cathedral, Schönhauser Allee 5).

Für Klarheit und Orientierung sorgen zuverlässig auch die Bunny Lectures, seit sie sich im Januar 2004 mit dem Thema „Geborgenheit“ beschäftigten. Danach gab es sie eine Zeit lang jeden Monat, inzwischen finden diese etwas anderen Berliner Lektionen ohne festen Rhythmus statt. Am Mittwoch um 20 Uhr ist es wieder so weit. Supatop- und Hilfscheckerbunny haben im NBI (Schönhauser Allee 36) mit Katja Crone und Kai Markus Schreiber eine Philosophin und einen Neurowissenschaftler zu Gast, um das Thema „Mentales Bewusstsein“ zu behakeln. Außerdem sind die als Bunnygraphen bekannten wissenschaftlichen Mitarbeiter, Kirk Erbs und Cornelius Reiber (der wieder eigens aus Princeton anreist), mit dabei, und für die musikalische Auflockerung sorgt Jens Friebe. Sie alle wollen im Laufe des Abend herausfinden, wo unser Bewusstsein wohnt, was Fische denken, ob wir wirklich existieren und welcher Becher sicher ist. Vielleicht erfährt ja auch die mentale Jahresendkonfusion dabei ein wenig Aufklärung.

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