Kultur : Schüttel dich

Rätselrock: Godspeed You! Black Emperor im Astra

Volker Lüke

Wenn Vögel tot vom Himmel fallen und mal wieder vom Weltuntergang die Rede ist, passt es gut, dass eine Band auf die Bühne zurückkehrt, die in der Vergangenheit als „Big Band der Apokalypse“ bezeichnet wurde. Godspeed You! Black Emperor, die Rätselrocker aus Montreal, haben sich Ende der neunziger Jahre mit ihrer instrumentalen Bombastmusik einen Kultstatus geschaffen. Selbst nach fünfjähriger Auszeit ist ihr Konzert im Astra ausverkauft. Man steht sich im Weg, als die acht Musiker vor dem Hintergrund schöner Filmbilder einen Raum zum Wegdriften aufklappen.

Dabei klingt alles wie gehabt: Das breite Anrollen der fünfköpfigen Gitarrenfront, die wie kreischende Möwen von der Decke niedergeht. Im Verbund mit Schlagwerk und Violine entwickelt sich ein Sog, der Einordnung unmöglich macht. Die Sehnsuchtsmelodien zerren mit wimmernder Spiritualität an der Seele und erinnern dabei immer auch an Filmmusik von Nino Rota oder Ennio Morricone. Sie schrauben sich mit symphonischem Gestaltungswillen in schwindelnde Höhen, bis alles in grandiosem Lärm aufglüht – der große Bogen vom Wiegenlied zum Totschlag!

Keine Chance, den Körper in einen routinierten Schüttelgroove fallen zu lassen. Man muss schon den Kopf einschalten, um mit dem kreischenden Vorwärtsgang Schritt zu halten und den Abschweifungen zu folgen, die den gesamten Höhenbereich in klaustrophobische Zustände treiben. Dabei wirken Godspeed You! Black Emperor auch in ihren lautesten Momenten naturverbunden, nicht nihilistisch, sondern die Schöpfung preisend. Was könnte erhebender sein, als zu erleben, wenn Leben aus dem schwarzen Sumpf entsteht und die ersten Schritte im Reich der Zweibeiner macht? Volker Lüke

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