Kultur : Schwarz / Schwarz

CHRISTINA TILMANN

Der Name, der diesen Film in die deutschen Kinos bringt (immerhin vier Jahre, nachdem er 1995 als Wettbewerbsbeitrag auf dem Filmfest in Locarno lief), taucht im Vorspann von Takashi Ishiis Film "Gonin" erst an vierter Stelle auf: "Beat" Takeshi, der japanische Komiker, der mit seinem Venedig-Erfolg "Hana-Bi" in Deutschland mit einem Schlag zum Kultregisseur avancierte, spielt in "Gonin" nur eine Nebenrolle.Und auch diese nur aus Freundschaft zum Regisseur: Die Rolle eines Yakuza-Killers war Takeshis erster Filmauftritt nach einem beinahe tödlichen Autounfall 1994, und die Augenklappe, die er im Film trägt, ist echt.

Was ihn mit seinen Opfern, fünf Großstadt-Desperados, verbindet, ist Hoffnungslosigkeit, Stolz und äußerste Gewaltbereitschaft.Was man eben so entwickelt, wenn man ruiniert und in den Händen der Yakuza gelandet ist.Und auf die grandiose Idee kommt, den Yakuza-Boß auszurauben.

Das Japan, das "Gonin" zeigt, ist in Europa bekannt aus den Filmen Takeshis.Bekannt sind jene schweigsamen Menschen, die zuschlagen, ehe sie sprechen, die schießen ohne nachzudenken und in nächtlichen Alpträumen Qualen leiden.Bekannt auch die mitreißenden Kamerafahrten durch eine nächtliche Großstadt voll Neonglanz, Zeitlupen-Verzögerungen und Standbildern.

Vertraut erscheint "Gonin" aber auch aus älteren Kinoreminiszenzen.Nicht nur Nacht und Regen erinnern an den Film noir eines Melville.Koichi Sato als ruinierter Disko-Besitzer Bandai irrt ähnlich schweigsam, stolz und verloren durch den Film wie einst Alain Delon in "Le Samourai".Die Mischung aus Ehrgefühl, Männerfreundschaft und härtester Gewalt ist seitdem nicht sympatischer geworden.

Central, Eiszeit und Filmkunst 66 1/2

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