Kultur : SCIENCE-FICTION

KNUD KOHR

"Schreibt ihr auch im Thoregon-Zyklus das Kosmologie-Modell von Willi Voltz fort?" wollte ein blasser Mann wissen, dem man ansah, daß er in den letzten Jahren weder Obst gegessen noch Sport getrieben hat.Solche Fragen waren durchaus normal, als sich am Sonnabend drei Dutzend Berliner Fans des Weltraumhelden Perry Rhodan in der Kreuzberger Fantasy-Buchhandlung UFO trafen, um den Worten von Klaus Norbert Frick zu lauschen.Frick ist seit 1995 redaktioneller Leiter des zehnköpfigen Teams, das den Weltraum-Krieger Rhodan Woche um Woche für den Pabel-Moewig-Verlag zum Fliegen bringt.Denn die 1961 in Deutschland erfundene Saga um Rhodan ist die erfolgreichste Science-Fiction-Heftreihe der Welt.Mittlerweile sind an die zweitausend Hefte erschienen, in denen der Raumanzugträger die Erde vor immer neuen extraterrestrischen Bedrohungen bewahrt.Rhodan funktioniert genauso wie die Lindenstraße: Versäumt man drei Folgen, versteht man in dem Getümmel der Handlungslinien kein Wort mehr.Fricks Vortrag war also eine Sache für Hardcore-Rhodanisten.Neuigkeiten konnte der Chefredakteur allerdings nicht verbreiten.Denn Rhodan-Fans sind erstaunlich gut informiert.Was immer Frick sagte, die Gemeinde nickte wissend.Rhodan-Fans verkleiden sich auch nicht.Sie kommen im Karohemd und streiten über erstaunliche Dinge, die niemand außer ihnen interessiert.Wird Atlan wieder Streit mit den Arkoniden bekommen? Wird Gucky der Mausbiber ihm dabei zur Seite stehen? Und Rhodan-Fans ziehen Resümees über das Kosmologie-Modell nach Voltz."Ab in den Parkulär-Ballon damit!" forderte der blasse Mann nach ausführlicher Diskussion.Oder war es der Binär-Karton? Irgendwie auch egal.

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