Kultur : Selbstüberspätzlung

NORBERT TEFELSKI

Der schwäbische Kabarettist Stephan Bauer im MehringhoftheaterVON NORBERT TEFELSKIStephan Bauer hält sich für bedeutend.Seine Vita verweist auf den "tätlichen Angriff eines NPD-Mitglieds nach einem Auftritt in Balingen" und auf einen "durch Papstnummer erzürnten", störenden Zuhörer.Stolz wird eine Kritik der "Bild-Zeitung" zitiert: "Schlecht." Der Kollege hat recht.Das Berlin-Debüt des schwäbischen Provinzkabarettisten wäre gnädig zu ignorieren, verkaufte er sich nicht in tragischer Selbstüberspätzlung als Profi.Naßforsches Auftreten mag Unsicherheiten halbwegs kaschieren, keinesfalls aber Unvermögen.Aus dem Kübel zusammengefegter Alltagsbanalitäten stauben wohlfeil-politische Alibisprüche, inklusive peinlich danebengelungener Kohl-Parodien. Der Programmtitel "Egotripper" ist alles andere als Satire: Bauers distanzlos unreife Weltsicht zeitigt schauderhafte Spießerspäße.Mühsam verwitzelt äußert ein blümchensexueller Hochgeschwindigkeitsejakulator seine Fassungslosigkeit über alle Andersverkehrenden: "Ich bin jetzt 29 und habe noch nie ..." (David Leukert, zur Zeit bei den "Wühlmäusen", sagt, bis aufs Alter, exakt das gleiche!) Mehrfach bricht sich "ironischer" Frust ob der schwachen Zuschauerreaktionen Bahn im Mehringhoftheater.Ob aber Bonn oder Bahn, ob Kabarett oder Comedy - Bauer ist nur ein besonders krasser Vertreter jener platten Brettlquäler, die das Publikum als zahlenden Ersatz für Pfarrer, Psychologen oder Frisör mißbrauchen. Mehringhoftheater, bis 25.April, Dienstag-Sonnabend jeweils 20.30 Uhr.

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