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Serie : Spreelectro: Neue Pop-Tipps aus Berlin

26.04.2012 15:20 Uhrvon
Martin Böttcher, Berliner DJ und Musikjournalist. Foto: Frauke FischerBild vergrößern
Martin Böttcher, Berliner DJ und Musikjournalist. - Foto: Frauke Fischer

Der DJ und Musikjournalist Martin Böttcher gibt auf Tagesspiegel.de schon länger Pop-Tipps. Für unsere Serie "Spreelectro" hat er sich inzwischen auf Berlin spezialisiert und empfiehlt Gutes aus der Hauptstadt.

Mittekill – All But Bored, Weak and Old (Staatssakt)

Als Berliner, der in Charlottenburg groß geworden ist und den es irgendwann nach Mitte verschlagen hat, grüble ich seit Jahren über diesem Namen: Mittekill. Er stammt aus einer Zeit, als Berlin wirklich nur aus „Mitte“ zu bestehen schien und das jeden nervte – nun ja, fast jeden, die damals noch „Mitte-Boys“ und –„Girls“ genannten Hipster ausgenommen. Damals, so um die Jahrtausendwende herum, geisterte tatsächlich ein Song namens „Berlin Mitte Boy“ herum, der wie aus einer Kokainlaune heraus in die Welt schrie, wie toll hier doch alles ist und, vor allem, wie toll man selbst ist.

Als Reaktion auf diese Selbstbeweihräucherung, so stelle ich mir das vor, entstand Mittekill: Elektronisch, definitiv in der Berliner Clubkultur verankert, mit deutschen Texten – guten deutschen Texten! -, emotional, aber mit genug Abstand zu sich selbst. Mittekill zitierten die Fehlfarben und brachten die Schwierigkeiten des Lebens auf den Punkt. Jetzt ist das neue Album da und es ist mit ziemlicher Sicherheit das beste Mittekill-Album. Mastermind Friedrich „Freedarich“ Greiling schenkt uns eine knappe Stunde gesammelte Großstadt-Weisheiten, zu denen man auch noch tanzen kann, wenn man denn will.

Saschienne – Unknown (Kompakt)

Und noch einer, der mich schon eine ganze Weile begleitet: Der Berliner Produzent und DJ Sascha Funke. Schon komisch: Alle Welt (auch hier bei Spreelectro) hat über das Pärchen-Album von „Dapayk & Padberg“ geschrieben, aber auf „Unknown“ von Sascha Funke und seiner Frau Julienne Dessagne musste ich zufällig stoßen – kaum irgendwo war etwas darüber zu lesen. Vielleicht liegt es daran, dass hier kein TV-bekanntes Model mitwirkt. Aber ungerecht bleibt es: „Saschienne“ machen nämlich die bessere Musik! Sehr atmosphärischer, melancholischer und, um mal wieder mein Lieblingswort herauszukramen, deeper Tech-House trifft auf poppig-ruhiges Songwriting. Sascha Funke, übrigens ein alter Buddy von Paul Kalkbrenner, hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Das tun er und seine Frau auch jetzt nicht. Aber gerade das ist die Stärke von „Unknown“.

Aka Aka & Thaelstroem – Variete Remixed (Burlesque Musique)

Eine typische Berliner Clubgeschichte: Vor ein paar Jahren lernen sich der aus dem Saarland kommende Johannes Bergheim und der aus Emde zugezogene Holger Kampling beim Feiern kennen. Man beschließt, zusammen Musik zu machen, nennt sich Aka Aka und haut schließlich vor einem Jahr gemeinsam mit dem Trompeter Thaelstroem ein Album raus, auf das sich alle einigen können. Aka Aka tauchen in den wichtigen Downloadcharts, DJ-Listen und Jahresend-Polls auf, der Marktwert steigt, sie sind gut im Geschäft. Jetzt, ein gutes Jahr nach diesem „Variete“-Album, kommt der Nachschlag: Das Remix-Album. Keine Verlegenheitslösung, sondern ein eigenständiges Werk mit über 30 verschiedenen Interpretationen der ohnehin schon guten Techno-Tracks. Die Remixer von Marek Hemman über Mihalis Safras, Philip Bader und Piemont bis hin zur Zombie Disco Squad und zu Dirty Doering halten sich angenehm zurück und hieven Variete gekonnt in die Verlängerung. Die Open-Air-Saison kann kommen – und vielleicht lernen sich zur Musik von Aka Aka schon die nächsten kennen, die gemeinsam Musik machen und ihr Kaptel Clubgeschichte schreiben wollen.

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