Kultur : "Sex? Aber mit Vergnügen!": Vaganten-Bühne

Alexander Haas

Die Geschichte von Adam und Eva ist eine Variante der Muppets-Show. Die Darstellung Evas (und Adams!) durch Roswitha Dost in der Vaganten-Bühne lässt daran keinen Zweifel: An Kermit, den Frosch, erinnert das grausige Grün ihrer Perücke und an Kasperletheater die kuriosen Zuckel-Bewegungen der Dost. Wer an derlei Ulk-Interpretationen dieser und anderer Geschichten Gefallen findet, sollte die Vaganten schleunigst aufsuchen. Bei ihnen hat Dario Fos Familienunternehmen zugeschlagen. Wie bei vielen Stücken des inzwischen zum Nobelpreisträger aufgestiegenen italienischen Volks- und Politdramolettisten, so auch hier: Die aufklärerisch-pädagogische Lustrevue "Sex? Aber mit Vergnügen!" hat Fo zusammen mit seiner Frau Franca Rame (und Sohn Jacopo) entwickelt (13., 26.-28.1. um 20 Uhr und wieder im Februar). Dabei haben beide Geschlechter ihre Spuren hinterlassen: beim Auftritt von Adams Penis, vor allem aber beim weiblichen Hauptgegenstand der Revue: einem feministischen Daumenkino der Minima Sexualia. Dieses zeigt Roswitha Dost unter der Regie von Bernd Rumpf in einem ziemlich brüllwitzigen Durchgang durch die Kultur- und Alltagsgeschichte der Sexualität - einschließlich ihrer zivilisatorischen Sublimationen (der Mann etwa als "Marquis de Saab"). Das geht vom Sexualleben jener ersten beiden Menschen bis zum Kursus "Frau & Orgasmussimulation". Wie Frau Dost sich bei diesem auf die Couch wirft und unter heftigster Sprach- und Körperhythmik alles ausprobiert, was ihren imaginären Reiter von einem Mega-Orgasmus überzeugen könnte - eine sportliche Höchstleistung. Wem das alles zu blöd ist, der möge sich am Prolog delektieren: Platons "Symposion"-Mythos von der einstigen geschlechtlichen Einheit der Menschen in Kugelform. Danach ist Schluss mit Hochkultur.

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