Sibelius Orchester im Konzerthaus : Lieben Sie Brahms?

Stanley Dodds spielte mit dem Sibelius Orchester im Konzerthaus drei hochanspruchsvolle Werke aus dem symphonischen Kernrepertoire.

Benedikt von Bernstorff

Im Sommerkonzert des 1980 gegründeten Sibelius Orchesters steht kein Werk des finnischen Namenspatrons auf dem Programm, obwohl sich in diesem Jahr dessen Geburtstag zum 150. Mal jährt. Längst hat sich das vielleicht bekannteste Berliner Studenten- und Laienorchester von der anfänglichen Konzentration auf skandinavische Musik verabschiedet, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt werden unter der Leitung von Stanley Dodds Dvoráks „Mittagshexe“, Alban Bergs „Sieben frühe Lieder“ sowie die dritte Symphonie von Johannes Brahms aufgeführt, drei hoch anspruchsvolle Werke aus dem symphonischen Kernrepertoire.

Schon in Dvoráks schauriger Tondichtung zeigt sich, zu welcher beeindruckenden Klangentfaltung das in riesiger Besetzung angetretene Ensemble in der Lage ist. Mit der kurzfristig eingesprungenen Kristin Ebner konnte eine Solistin verpflichtet werden, die im Strauss- und Wagnerfach ihren Weg machen dürfte. Auch wenn nicht alle Spitzentöne ideal glücken – eine so gesunde und volle Stimme ist nicht oft zu erleben. Bergs komplexen Orchesterklang durchhörbar zu gestalten dürfte allerdings professionellen Klangkörpern vorbehalten bleiben, zumal Dodds gestisch wenig vorbereitet, sondern eher „auf Punkt“ dirigiert.

Ein perfektes Solo des Hornisten

Erfahrenheit und Gestaltungswille des musikalischen Leiters, im Hauptberuf Geiger bei den Berliner Philharmonikern, zeigen sich sehr viel stärker in Brahms’ F-Dur Symphonie, die hörbar intensiv einstudiert wurde. Dodds geht es offenbar um den Kontrast zwischen fließenden und gestauten Passagen, besonders die beiden Mittelsätze gelingen ausgezeichnet. Und im berühmten Poco Allegretto, aus dem die Erkennungsmelodie des Ingrid-Bergmann-Films „Lieben Sie Brahms?“ stammt, darf man über ein perfektes Solo des Hornisten staunen.

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