Kultur : Sie wussten, was sie tun

Frank Noack

auf den Spuren des 20. Juli 1944 im Kino Am 20. Juli präsentieren mehrere TV-Kanäle Sendungen, die sich mit dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler befassen. In der Filmgeschichte ist es nur ein Mal vorgekommen, dass dieses Thema einen medialen Konkurrenzkampf ausgelöst hat. Nachdem der zehnte Jahrestag des Attentats verschlafen wurde, gingen 1955 gleich zwei Produktionen ins Studio. Als Sieger des Wettkampfes galt einhellig der von Artur Brauner produzierte und von Falk Harnack inszenierte Film Der 20. Juli . Die Gestalter waren moralisch über jeden Verdacht erhaben. Brauner hatte den Holocaust im Untergrund überlebt. Harnack, dessen Bruder Arved mit seiner Frau als Mitglieder der „Roten Kapelle“ hingerichtet worden war, kam trotz seiner Kontakte zur „Weißen Rose“ mit dem Leben davon und desertierte als Soldat in Griechenland. Am Drehbuch schrieb Günther Weisenborn mit, ebenfalls als Mitglied der „Roten Kapelle“ mit einem Bein in der Todeszelle.Besonders beeindruckt an dem Film die Berücksichtigung unterschiedlichster Milieus. Statt sich auf die konspirativen Gespräche der Offiziere zu beschränken, liefert Harnack einen Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung.

G.W. Pabst dagegen konzentrierte sich ganz auf die Planung des Attentats. Sein Film Es geschah am 20. Juli scheint ausschließlich von Offizieren bevölkert zu sein, was eine gewisse Kälte und emotionale Distanziertheit mit sich bringt. Als Stauffenberg besetzte Pabst Bernhard Wicki, der 1938 mit 19 Jahren als Mitglied der kommunistisch orientierten „Bündischen Jugend“ im KZ Sachsenhausen gelandet war. Beide Filme laufen nacheinander am Dienstag im Zeughaus-Kino. Wer starke Nerven hat, kann sich vorher noch die Dokumentation Geheime Reichssache antun, die für alle Ewigkeit das fanatische Gekeife des Blutrichters Roland Freisler vom Volksgerichtshof festgehalten hat.

Hinterher ist man immer klüger. Bevor Deutschland seine Nachbarländer angegriffen hat, wusste niemand in Hollywood so recht, wie der Nationalsozialismus wirksam angeprangert werden könnte. Ein interessantes Dokument der Hilflosigkeit ist Confessions of a Nazi Spy (1939), in dem Naziagenten Institutionen der USA infiltrieren. Mit Anatole Litvak war ein herausragender Stilist für die Regie verantwortlich, und die Besetzungsliste wurde von Edward G. Robinson, Francis Lederer und George Sanders angeführt. Leider macht der Film nie so richtig klar, was ein Nazi ist und was er konkret anrichten könnte. Empfehlenswert ist er dennoch, da er zeigt, wie ratlos die cleversten Drehbuchautoren Hollywoods dem Thema gegenüberstanden. (Sonnabend im Arsenal).

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