So kann’s gehen : Muss ich Kaugummikauen ertragen?

Immer wieder sonntags - fragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Ich bin als niedergelassene Gynäkologin tätig. Regelmäßig fühle ich mich irritiert, wenn ich zu medizinischen Problemen Stellung nehmen soll und dabei in heftig wiederkäuende Gesichter blicken muss, manchmal begleitet mit deutlich wahrnehmbaren Kaugeräuschen. Kann ich solche Patientinnen bitten, während des ärztlichen Gespräches das Kaugummi aus dem Mund zu nehmen, oder muss man sich daran gewöhnen?



Vermutlich denken sich Ihre Patientinnen nicht mal was Böses dabei, wenn sie das Kaugummi während der Konsultation im Mund behalten. Vielleicht finden sie das sogar besonders cool oder kommen aus einem Umfeld, in dem Kauen als Ausdruck von Lässigkeit gilt. Manche Menschen benutzen Kaugummis auch, um Nervosität und Unsicherheit zu bekämpfen, wie man es früher mit Zigaretten machte. Natürlich besteht die Gefahr, dass Sie auf Unverständnis stoßen, wenn Sie zeigen, wie sehr Sie das nervt. Andererseits sind Sie als Ärztin ja vermutlich darin trainiert, auch mal schlechte Botschaften zu überbringen. Sie können ja höflich sagen: „Es tut mir leid, aber mich irritiert das wahnsinnig, wenn Sie die ganze Zeit kauen. Würde es Ihnen etwas ausmachen, das hier mal kurz auszusetzen?“

Ganz entwaffnend wäre es, wenn Sie der Patientin mit dieser Bemerkung ein Papiertuch zum Entsorgen und ein frisches, noch verpacktes Kaugummi für später hinschieben. Wer weiß, vielleicht erinnert sich die Patientin an Ihre Worte vor dem nächsten Vorstellungsgespräch und tritt nur deshalb dort ohne Kaugummi auf. Dann hätten Sie sogar Karrierehilfe geleistet. Die Situation im Sprechzimmer ist ideal für solche Hinweise, weil da niemand sonst zuhört. Würden Sie im Wartezimmer laut verkünden, dass bei Ihnen Kaugummis nicht gestattet sind, würden Sie zu Recht Patientinnen verlieren und Ihr Appell wäre sowieso wirkungslos.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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