So kann’s gehen : Sag ich, dass es kaputt war?

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Wie verhält man sich , wenn man ein beim Transport beschädigtes Geschenk erhält? Meine Cousine erwähnte letztens, dass die übersandte Quicheform bereits zerbrochen sei. Ich selber habe in solchen Fällen Geschenke immer gelobt und ein solches Malheur nie erwähnt.

Dass Ihre Cousine von dem Pech erzählt hat, können Sie als Kompliment verbuchen. Sie nimmt Ihre Geschenke ernst, weiß, dass Sie ihr eine Freude machen wollen, hätte zum Dank vielleicht gern Ihr schönstes Quicherezept bei Ihrem nächsten Besuch ausprobiert, allein, es sollte wohl nicht sein. Das sagt sie Ihnen ganz ehrlich. Ganz bestimmt erwartet sie nicht von Ihnen, die Sendung zu wiederholen und so lange Quicheformen zu schicken, bis mal eine unversehrt ankommt. Für ebenso unwahrscheinlich halte ich den Gedanken, dass sie Ihnen bewusst den Spaß verderben will an dem Gedanken, dem anderen eine Freude zu bereiten.Vielleicht haben Ihnen die Menschen, von denen Sie selber mal Päckchen mit einem zerbrochenen Geschenk bekommen haben, gar nicht viel bedeutet, und es war Ihnen ganz bequem, sich mit einem raschen „Dankeschön“ aus der Affäre zu ziehen. Manchmal bekommt man ja auch Sachen, die man gar nicht braucht, oder die man nicht schön findet, und wenn sie dann auch noch kaputtgegangen sind, kann man sie guten Gewissens gleich entsorgen. In solchen Fällen würde man Gespräche darüber natürlich vermeiden. Vielleicht möchten Sie die Reklamation der Cousine als Zeichen dafür sehen, dass sich manche Dinge besser für Paketgeschenke eignen als andere. Tischdecken zum Beispiel oder Kochbücher mit den besten Quichegerichten können in der Post kaum kaputtgehen. Vielleicht hofft Ihre Cousine einfach, dass Sie sich darüber bei der nächsten Geschenksendung auch Gedanken machen, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

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