So kann’s gehen : Was kommt auf den Kondolenzbrief?

Elisabeth Binder

Meine Kolleginnen sind der Ansicht, dass auf einen Kondolenzbrief kein Absender gehört. Ich bin da anderer Meinung. Wer hat recht?

Natürlich könnte man meinen, es sei höflich zu signalisieren, dass man keine Antwort erwartet auf einen solchen Kondolenzbrief. Dann erscheint es vielleicht sinnvoll, den Absender wegzulassen. Ich bin aber davon überzeugt, dass man es dem Adressaten selber überlassen sollte, ob er antworten will oder nicht. Für den Fall, dass er will, sollte man ihm das so leicht wie möglich machen, da soll er nicht nach Adressen suchen müssen. Trauernde haben oft ein dringendes Bedürfnis, sich auszutauschen oder zu bedanken für einen besonders anrührenden Brief. Es ist sicher richtig, dass man sich Menschen, die einen anderen lieben Menschen verloren haben, nicht aufdrängen darf. Aber man sollte offen sein für ihre Bedürfnisse.

Es ist deshalb auf jeden Fall gut, überhaupt zu schreiben. Vernünftig ist es auch, auf vorgedruckte Karten mit allzu frommen Sprüchen zu verzichten. Besser ist es, in einem handgeschriebenen Brief in ganz persönlichen Worten auf den Verstorbenen einzugehen, zum Beispiel Erlebnisse zu beschreiben, an die man sich im Zusammenhang mit ihm gern erinnert, oder auf seine besondere Ausstrahlung hinzuweisen. Auf alles Gestelzte und Unnatürliche sollte man verzichten, vor allem auf Floskeln.

Anteilnahme drückt sich am besten in einfachen Worten aus. Ergibt sich daraus ein kleiner Briefwechsel, ist es auch gut. Darauf sollte man sich auch unbedingt einlassen, ein bisschen Zeit ist das Mindeste, was man einem Menschen schenken kann, der einen schweren Verlust zu tragen hat. Den Ausdruck der Anteilnahme von vornherein auf ein einziges Schreiben begrenzen zu wollen, käme mir unnötig engherzig und alles andere als großzügig vor. Insofern kann ein Absender sogar eine Einladung zur Korrespondenz sein.

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