So kann’s gehen : Wie bringe ich Kinder zum Grüßen?

Elisabeth Binder

Im Fahrstuhl begegne ich öfter den Kindern der Nachbarn, zu denen ich zwar keine enge Verbindung pflege, mit denen ich mich aber manchmal im Flur unterhalte. Es ärgert mich, dass die Kinder mich nicht grüßen und eigentlich so tun, als wäre ich Luft. Ich habe mal gelernt, dass die Jüngeren die Älteren zuerst grüßen.

Ja, die Regel gab es mal. Aber an dieser Stelle war auch häufiger schon die Rede davon, dass feste Regeln inzwischen oft von sensiblen Improvisationen abgelöst werden. Es bringt gar nichts, wenn Sie sich ärgern, das vermiest Ihnen nur den Tag und macht aus den Nachbarskindern auch keine umgänglicheren Menschen. Vor pädagogischen Vorträgen und erhobenem Zeigefinger sollten Sie sich ebenfalls in Acht nehmen, erst recht sollten Sie sich nicht bei den Eltern beklagen. Nach meinem Gefühl bleibt nur eine vernünftige Reaktion übrig. Vergessen Sie bitte Ihren Status als ehrwürdiger älterer Mensch, der ein Anrecht darauf hat, gefälligst gegrüßt zu werden. Gehen sie stattdessen mit gutem Beispiel voran. Wenn Sie den Nachbarskindern begegnen, lächeln Sie sie freundlich und offen an und wünschen Ihnen einen guten Tag. Jugendliche sind manchmal unsicher, verlegen oder geplagt von Teenagerproblemen und nicht unbedingt in der Lage, sich wie Salonlöwen zu verhalten. Manchmal sind sie auch einfach nur ehrlicher als Erwachsene. Vielleicht strahlen Sie Ihre Erwartungshaltung zu sehr aus, das könnte provozieren.

Wenn Sie gemeinsam im Aufzug fahren, versuchen Sie kleine Small-Talk-Annäherungen, um das Eis zu lockern, kurze Bemerkungen zum Wetter etwa oder zum Geschehen rings um das Haus. Wenn Sie darauf auch keine Reaktionen kriegen, zum Beispiel, weil die jungen Nachbarn gerade Musik hören und Sie gar nicht hören können, geben Sie nicht auf. Jedes Lächeln, das eine gerunzelte Stirn ersetzt, hilft auf Dauer auch dem eigenen Aussehen.

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