So kann’s gehen : Wie esse ich Fisch?

Elisabeth Binder

Kürzlich war ich mit Freunden in einem gehobenen Restaurant. Wir bestellten unter anderem Zander zum Essen. Dieser wurde aber nicht mit einem Fischbesteck serviert, sondern einfach so mit Messer und Gabel. Das hat uns verärgert. Wie reagiert man da?

Nahe liegend wäre es, den Kellner einfach zu fragen, wieso er kein Fischbesteck aufgelegt hat. Es könnte allerdings sein, dass darauf die Antwort folgt, es gebe im Hause gar kein solches Besteck. Dann sollten Sie sich bitte nicht ärgern und auch dem armen Mann nichts am Trinkgeld kürzen. Was früher einmal comme il faut war, bleibt es nicht unbedingt für immer. Im Grunde hat sich mit der Erfindung des rostfreien Stahls die Notwendigkeit für ein Fischbesteck erledigt. Die im Vergleich zum Fleischbesteck stumpfe Schneide und die kürzere und breitere Gabel erleichtern den Verzehr des Fisches ja nicht unbedingt. Man kann einen Zander oder eine Dorade auch mit einem scharfen Fleischmesser gut zerteilen. Je nachdem, wie die Fische zubereitet sind, kann es sogar hilfreich sein, ein etwas spitzeres Werkzeug zur Verfügung zu haben. Allerdings würde ich in einem gehobenen Restaurant erwarten, dass der Fisch von den Kellnern filetiert wird, schließlich kommt man ja nicht zum Arbeiten dahin.

Was die Esswerkzeuge betrifft, sollte man nicht an alten Zöpfen hängen. Besser ist es, sich auf das Notwendige zu konzentrieren, dieses aber möglichst elegant zu präsentieren. Ein formschönes, gut handhabbares Besteck ist wichtig, und ich erwarte in einem guten Restaurant unbedingt, dass es für jeden Gang ein frisches gibt. In Luxusrestaurants ist der Fisch manchmal mundgerecht in so wunderbaren Saucen angerichtet, dass er am besten mit einem Löffel verzehrt wird. Nicht die Tradition bestimmt die Gesetze guter Sitten, sondern all das, was es dem Gast leichter macht, die gebotenen Speisen ohne unnütze Verrenkungen zu genießen.

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