So kann’s gehen : Wie werde ich beschenkt?

Elisabeth Binder

Seit 14 Jahren arbeite ich in derselben Firma, bin inzwischen fast der letzte Wessi. Das Betriebsklima ist gut, fast familiär. Inzwischen haben sich Gruppen gebildet, die sich bei Geburtstagen üppig beschenken. Nur mein Geburtstag wird oft vergessen, auch von Kollegen, die mich am selben Tag auf dem Flur freundlich grüßen. Das kränkt mich sehr, zumal ich mich oft bemüht habe, für andere Geschenke zu organisieren.

Dass es Ihnen wehtut, nicht ganz dazuzugehören, kann ich gut verstehen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass es sich beim Vergessen des Geburtstags nicht um bösen Willen handelt. Inzwischen gibt es den Unterschied zwischen Ossis und Wessis so gar nicht mehr. Eine ganze Generation junger Erwachsener ist schon gesamtdeutsch herangewachsen. Es lohnt sich aber, an die Anfänge zurückzudenken: Wessis galten oft als arrogant und kalt, nur an der Arbeit interessiert, zwischen Ossis durfte es auch am Arbeitsplatz mehr menscheln. Vielleicht ist der von Ihnen geschilderte Konflikt ein Relikt aus dieser Zeit. Die Kollegen ahnen vielleicht gar nicht, wie wichtig Ihnen Ihr Geburtstag ist.

Womöglich würden Sie sich viele Sympathien einhandeln, wenn Sie einfach mal zeigen würden, welche Rolle er für Sie spielt. Ich würde mir eine Liste aller notorischen Nichtgratulanten machen und sie demnächst gezielt zu Kaffee und Kuchen oder einem Glas Sekt einladen. Und wenn jemand auf dem Flur grüßt, ohne zu gratulieren, würde ich fragen: „Sieht man, dass ich heute ein Jahr älter geworden bin?“ Ich habe mal einen Button geschenkt bekommen, auf dem (auf Englisch) stand: „Heute ist mein Geburtstag.“ So was kann man sich auch selber basteln. Wenn die anderen immer so hemmungslos feiern, werden sie sicher Verständnis dafür haben, wenn Sie diese kleine, sympathische Schwäche mal öffentlich machen.

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