So kann’s gehen : Wieso soll Radfahren schlecht sein?

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In letzter Zeit fahre ich nicht mehr gern mit dem Auto. Auch für größere Strecken nehme ich lieber das Fahrrad. Wenn ich an meinem Ziel ankomme, schreien mich Freunde und Bekannte oft an, wie ich nur so viel Fahrrad fahren könne. Ob sie damit das schlechte Gewissen über die eigene Faulheit abregieren? Es ärgert mich, wenn sie so reagieren.

Es lohnt sich einfach nicht, Zeit aufs Ärgern zu verschwenden, wenn man nicht die Ursachen erforscht. Fragen Sie Ihre Freunde doch einfach mal, warum sie so reagieren, ob sie das tatsächlich nicht in Ordnung finden, dass Sie so viel radeln. Vielleicht machen sich die Freunde Sorgen, dass Sie sich dabei überanstrengen. Das wäre aus Ihrer Sicht zwar vermutlich überflüssig, aber grundsätzlich ist es doch ein schönes Gefühl, wenn andere sich um Ihr Wohlergehen sorgen.

Dass jemand ein schlechtes Gewissen über die eigene Faulheit abreagiert, indem er die sportlichen Bekannten anschreit, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Vielleicht sind Sie da zu sensibel. Manchmal projiziert man schlechte Gefühle auf andere, die das gar nicht nachvollziehen können. Eigentlich ist das, was Sie tun, ja gut. Sie verschwenden kein Benzin, schonen also die Umwelt. Warum sollte jemand etwas dagegen haben? Könnte es sein, dass Sie selber für die Anstrengung, die das Radfahren ja auch bedeutet, einfach etwas mehr Lob erwarten und das Ausbleiben desselben als Kritik missverstehen?

Man sollte sich nie auf die eigene Deutung eines bestimmten Verhaltens verlassen, schon gar nicht, wenn es negative Gefühle verursacht. Wenn die Freunde Ihre neue Radleidenschaft tatsächlich übertrieben finden, könnten Sie doch auch ganz sachlich mit ihnen darüber diskutieren. Immerhin besteht die Chance, dass Sie sie überzeugen und vielleicht sogar neue Gefährten für ausgedehnte Radtouren am Wochenende finden.

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