Kultur : Sommerbilder

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf fragt sich,

was er zwischen den Akten machen soll

Ich gebe es gern zu: Ich mag keine Pausen. Wenn es nach mir ginge, könnte zum Beispiel „Tosca“ glatt durchgespielt werden. Zack, zack, ein Akt gleich nach dem anderen und dann runter von der Engelsburg man wäre zu ziviler Zeit wieder heraus aus dem Opernhaus und könnte anschließend sogar noch in Ruhe etwas essen. Das Ganze würde nicht länger dauern als ein Kinofilm, und vor allem würde man keine kostbare Lebenszeit damit verschenken, dass man eine Viertelstunde lang ansteht, um ein Glas schlechten Sekt zu ergattern, das man dann auch noch mir nichts, dir nichts herunterstürzen muss, weil es dann doch schon wieder geklingelt hat. Wenn es nun aber partout Pausen geben muss (die langen Schlangen vor den Damentoiletten sind da ein gewichtiges Argument), dann sollten die Opernhäuser wenigstens dafür sorgen, dass man die Möglichkeit hat, sie einigermaßen sinnvoll auszufüllen. In der Komischen Oper und der Staatsoper ist das zum Glück derzeit der Fall: Beide Häuser präsentieren kleine Ausstellungen als kulturellen Zwischenakt. Die Komische Oper stellt seit einigen Wochen aus Anlass ihrer Premiere am Sonntag, „Le Grand Macabre“, Fotos, Faksimiles und Plakate aus, die Leben und Werk des gerade 80 Jahre alt gewordenen Komponisten György Ligeti dokumentieren. Die Staatsoper präsentiert dagegen einen weitgehend vergessenen Komponisten: Den Braunschweiger Spätromantiker Hans Sommer, einen Jugendfreund von Richard Strauss und – zusammen mit diesem – Begründer der GEMA. Insofern kann man diese Ausstellung sogar als Begleitprogramm zur jüngsten Produktion, der recht hübsch geratenen Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ (wieder am 21. und 26. Juni) verstehen. Nur, dass die leider gar keine Pause hat.

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