SONGWRITERINLucinda Williams : Schmerz und Süße

Nadine Lange

Harte Zeiten liegen hinter Lucinda Williams: „Ich musste den Tod meiner Mutter verarbeiten und blickte zurück auf eine turbulente Beziehung mit schlechtem Ende – offensichtlich gab es viel Schmerz und Kampf für mich, aber ich sah das Licht am Ende des Tunnels“, sagt die Musikerin über die letzten Jahre. Schmerz war stets eine wichtige Triebfeder der 54-Jährigen, die vom „Time“-Magazin zur „besten Songwriterin der USA“ gekürt wurde und 1999 für „Car Wheels on a gravel Road“ einen ihrer drei Grammys bekam.

Auch diesmal hat sie ihre Erfahrungen in Songs verwandelt. So findet sich auf ihrem im Frühjahr erschienenen achten Studioalbum „West“ der wundervoll sanfte Abschiedsgruß „Mama you Sweet“ an die geliebte Mutter. Und auf dem neunminütigen „Wrap my head around that“ sprechsingt Williams dem Verflossenen eine zunehmend aggressiver werdende Abrechnung hinterher – toll wie hier aus dem pluckernden Schlagzeug-Bass-Fundament plötzlich die von Bill Frisell gespielte E-Gitarre herausflucht. Weitere Gäste auf der von Hal Willner (Marianne Faithfull) produzierten Platte sind Bob Dylan-Bassist Tony Garnier, Gary Louis von den Jayhawks und Violinistin Jenny Scheinman. Sie bereichern die elegant zwischen Folk, Rock und Alternative Country oszillierenden Songs von Lucinda Williams, deren tiefe, brüchige Stimme auf „West“ einmal mehr ihre betörende Anziehungskraft entfaltet. Bei einem ihrer raren Deutschlandauftritte ist sie nun in ihrer ganzen Schönheit zu hören. Nadine Lange

Schiller Theater, Mi 7.11., 20 Uhr, 23-33 € + VVK

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