Soundcheck : Die Pop-Alben der Woche

Jeden Freitag stellen vier Popkritiker/-innen in der Radio-eins-Sendung „Soundcheck" ab 21 Uhr die Alben der Woche vor. Diesmal mit neuen Platten von Leonard Cohen, David Crosby, Lady Gaga und Kings of Leon.

Die amerikanische Musikerin Lady Gaga.
Die amerikanische Musikerin Lady Gaga.Foto: Collier Schorr

Lady Gaga: Joanne (Interscope/Universal)

Musik, die an Tankstellen- Fast-Food erinnert: steril, überwürzt, in Folie verpackt – sehr viel Produkt, wenig Kunst, null Gefahr. Die Melodien sind da, aber die Frage ist dieselbe wie früher: Warum klingt alles stillos, so billig produziert auf dem vierten Album der 30-jährigen New Yorkerin? Die Enttäuschung wächst von Song zu Song, aber auch das ist bei Lady Gaga ja nichts Neues. Martin Böttcher, Musikjournalist

David Crosby: Lighthouse (GroundUp Music)

Zwei Jahre nach „Croz“ – für Crosby Rekordzeit – kommt schon der Nachfolger. Angetrieben hat ihn Produzent, Mitmusiker und Ko- Komponist Michael

League, der den sparsamen Sound mit Magie füllt. Crosbys Stimme ist weitgehend hinüber, doch der alte Hippie flüstert noch immer mit großer Autorität. Vor allem, wenn es gegen „Bastarde“ geht, „die unsere Kinder und Enkel in den Krieg schicken.“ Sehr gutes Alterswerk. Andreas Müller, Moderator

Leonard Cohen: You Want It Darker (Columbia)

Der andere große singende jüdische Dichter des 20. Jahrhunderts bekommt keinen Nobelpreis, hat dafür aber ein großes Album aufgenommen. Referenzpunkte sind der späte Johnny Cash und der späte Philip Roth: die Hymnen sind dunkel, die Nacht ist grau, der Humor ist lakonisch. Ob es wirklich sein Abschied ist, ist so unsicher wie die Frage, ob morgen die Sonne aufgeht. Fabian Wolff, Musikjournalist

Kings Of Leon: Walls (Sony)

Ist es ein Zeichen für einen starken Markenkern oder für kreative Stagnation im Endstadium, wenn man wirklich jedes der zehn neuen Stücke auf Anhieb als Kings-Of-Leon- Song identifizieren kann? Seien wir gnädig: Konsumenten, die auf dem immer unübersichtlicher werdenden Pop-Markt das zeitgenössische US-Pendant der „Joshua Tree“-U2 suchen, sind mit dem Quartett aus Nashville nach wie vor gut bedient. Jörg Wunder, Tagesspiegel

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