Kultur : Spaß beim Mixen

YOUNG EURO CLASSIC (1)

Friedemann Kluge

Nimmt man Verdi einmal aus, so scheint die Zuneigung des Orchestra Sinfonica Giovanile del Piemonte vornehmlich solchen Komponisten zu gehören, die sich zu Lebzeiten mit dem Vorwurf des Eklektizismus auseinanderzusetzen hatten. Busoni, obwohl er selbst eine „neue Ästhetik der Tonkunst“ verfasste, Respighi, obwohl er in seinen „Pini di Roma“ Eigenarten der späteren musique concrète vorwegnahm. Die Piemontesen glichen den einen oder anderen Mangel an Präzision durch Musizierlust aus: Unter Guido Maria Guida spielten sie Ouvertüre zu Verdis „Sizilianischer Vesper“ mit der notwendigen „Italianità“. Busonis grüblerisches Konzertstück für Klavier und Orchester op. 31a, das weder seine Geistesverwandtschaft zu Liszt noch ein Augenzwinkern Richtung Tschajkowski zu verbergen sucht, wurde von Caroline Doerge-Alassio virtuos, umrissscharf und resolut gestaltet. Respighis temperamentvolles Ballettwerk „Der phantastische Spielzeugladen“ ist quasi ein Medley aus Rossini-Themen. A propos: Eklektizismus. Die Uraufführung der „Enttäuschung des Lichts“ von Enrico Correggia geriet zwar nicht gerade zur Enttäuschung, ließ aber doch eine eigene Musiksprache vermissen. Der tiefe Orgelpunkt am Beginn des erdenschwer dahinfließenden 10-Minuten-Werkes ist schon seit Wagner geläufig. Die Qualitäten liegen mehr in seiner Vielfarbigkeit, die das Orchester prachtvoll hörbar machte. Das Publikum im Konzerthaus hatte jedenfalls allen Grund, mit der Musizierfreude der Italiener zufrieden zu sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar