SPIEL Sachen : Der Koch, der Tod und sein Anwalt

Christine Wahl über das Gelächter der First Ladies

Christine Wahl

Wenn man dem Internet glauben darf, rangieren die Berufsbilder „Schauspieler/ Künstler/ Model“ (sic!) und „Journalist“ nicht unter den top five der Berufswahl. Sie müssen sich tatsächlich so tradiert seriösen Feldern wie der Medizin, der Juristerei und sogar der Pädagogik geschlagen geben. In Lutz Hübners Jugendstück „Creeps“ im Theaterdock (Lehrter Straße 35, bis 28.10., 20 Uhr) regiert aber offenbar nicht der Durchschnitt. Sondern hier versuchen drei junge Frauen, tatsächlich einen Job als Moderatorin zu ergattern und lassen sich dafür gegeneinander ausspielen und überhaupt auf jedes miese Psychonümmerchen ein, das der gemeine Personalbeauftragte so auf Lager hat, um perfide verheizt zu werden.

Wer nun allerdings denkt, als Angestellter vor existenziellen Problemen gefeit zu sein, irrt sich gewaltig. Da muss er nur ins Deutsche Theater gehen! Dort begeht ein Koch – und diese Profession liegt immerhin auf Platz drei der begehrtesten Ausbildungsplätze – Selbstmord, weil der Restaurantführer Gault Millau ihn von 19 auf 17 Punkte herabgestuft hat. Dass dieser ehrgeizige Zeitgenosse ein höchst reales Vorbild hat, gibt natürlich sehr zu denken. Dass er indes in Ivan Panteleevs Stück „Drei Sterne suchen einen Koch“ in der Kammer-Box (morgen, 19.30 Uhr) von Samuel Finzi gespielt wird, erhöht den Schauwert des tragischen Schicksals maßgeblich.

Ein Selbstmord ist es übrigens auch, der einen Anwalt – Platz eins der Berufshitliste (!) – im Zehlendorfer Theater im Greenhouse (Roonstraße 12, heute und morgen, 20 Uhr) in mentale Bedrängnis bringt. In Sabine Kuhnerts Inszenierung „Der Fall“ nach Albert Camus’ gleichnamigem Roman offenbart ein Top-Jurist, dem bis dato ganz Paris zu Füßen lag, in einer heruntergewirtschafteten Amsterdamer Hafenspelunke seine Abgründe.

Unter dem Aspekt des Berufsrisikos wirklich empfehlenswert scheint aber überhaupt nur die Laufbahn der „Diktatorengattinnen“ (27.10., 19 Uhr; 2.11, 21 Uhr). Die haben in René Polleschs neuem Stück an der Volksbühne nicht viel auszustehen – und auch nicht wirklich viel zu sagen. Aber immerhin einiges zu lachen.

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