SPIEL Sachen : Klonst du noch oder lebst du schon?

Christine Wahl über das schwedische Remake eines deutschen Bühnenhits

Christine Wahl

Gerade erst machten sich in Deutschland die Finnen unbeliebt – Stichwort Nokia. Im Ballhaus Ost (Pappelallee 15, Prenzlauer Berg) versuchen es nun ihre Nachbarn, die Schweden. Im Grunde, lassen die Ausnahmeschauspielerin Anne Tismer und ihre Mitstreiter auf ihrer Website wissen, sei unbestritten, dass alleinlebende Frauen hervorragend mit sich klarkommen und seltener zum Suizid neigen als Single-Männer. „Es sei denn“, schränkt Tismer ein, „sie wohnen in einer Ikea-Wohnung.“ Und genau das tut Anne-ka, die Heldin von Anne-kas Ikeawunschkonzert (1./2.3., 20 Uhr). Und hat deswegen durchaus „ein schlechtes Gewissen, weil Ikea ja auch für die Ausbeutung von Kindern in seinen Zulieferbetrieben kritisiert wurde, obwohl sie auch mal Projekte von Unicef finanziert haben“. Aber: „Bis jetzt ging alles gut.“

Fragt sich, wie lange noch. Schließlich ist Anne-ka (ihres Zeichens Sinologie-Studentin, Buchhalterin in einer Hoch- und Tiefbau-Firma und Praktikantin in der Sozialbranche) eine zeitgemäße Wiedergängerin des berühmten Fräulein Rasch aus Franz Xaver Kroetz’ 70er-Jahre-Drama „Wunschkonzert“. Die 50-Jährige, die sich dort eines unschönen Feierabends mit Schlaftabletten das Leben nimmt, spielte Tismer vor einigen Jahren mit großem Erfolg unter Thomas Ostermeiers Regie an der Schaubühne. „Anne-kas Ikeawunschkonzert“ will sie nun als „Neufassung und Kunstaktion“ verstanden wissen.

Ironischerweise musste die ursprünglich für Ende Februar geplante Premiere, passend zum Wohnungs- und Möblierungsthema, wegen eines Wasserschadens im Ballhaus Ost auf den 1.3. verschoben werden. Ob zum neuen Termin wirklich alles trocken ist, verrät ein Blick auf die Website: www.ballhausost.de.

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