SPIEL Sachen : Woyzeck unter Wasser

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„Wer ist heute in der Lage, eine komplexe Beschreibung der gegenwärtigen Situation zu geben, die gleichzeitig einen Raum für gesellschaftlichen Wandel eröffnet?“ Gute Frage, übrigens nicht nur in Bühnenkreisen. Der Theaterdiscounter versucht sich todesmutig an ihrer Beantwortung. 17 Autoren und Performer versprechen im Rahmen des Festivals Einzelkämpfer Monologe bis einschließlich Sonntag „persönliche Stellungnahmen zur Gegenwart, zur Idee des Revolutionären und den Grenzen des Monologs“ abzugeben. Die Zugriffe reichen von Gesellschaftstheorie bis zur Lebenspraxis. Während sich zum Beispiel Otmar Wagner in seinem Performance-Essay Systeme, Bier und Schnaps (Sa, 23.15 Uhr) neben diversen Spirituosen auch Niklas Luhmanns Systemtheorie erklären lässt, schickt das zurzeit hoch gehandelte Regieduo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen am heutigen Freitagabend, 20 Uhr, Gotta Depri in die Spur. Unter dem Motto Warum Gott Afrika verlassen hat erzählt der Performer von der Elfenbeinküste, was Schwarze über Schwarze sagen. „Eine Form von Eigenrassismus“, so die Veranstalter, „den man nur selbst betreiben darf“. Die Ausnahmeschauspielerin Anne Tismer schließlich dürfte sich mit Woyzickine – ein Unterwasserballett (So, 21 Uhr) in der Grauzone zwischen Büchner und Tismer, Drama und Performance, Theorie und Praxis bewegen.

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