SPIEL Sachen : Auf der Mauer, auf der Lauer

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Bevor sich – wie es die meisten großen Häuser bereits getan haben – auch das umtriebige kleine Theater unterm Dach in Prenzlauer Berg in die Sommerpause verabschiedet, wartet sie noch einmal mit einer geballten Portion Zeitgeschichte auf. Mit Irene Binz, die Frau im Kofferraum (Danziger Str. 101, 8.-10. Juni, 20 Uhr, ) widmen sich der Regisseur Mark Lippuner und seine Truppe PortFolio Inc. einer Fluchtgeschichte aus der DDR, die der 1991 verstorbene Autor Ronald M. Schernikau nach Gesprächen mit seiner Mutter verfasst hat: Die Protagonistin – eine durchaus lebenslustige und von der sozialistischen Idee im Grunde überzeugte Frau – gerät nach dem Mauerbau am 13. August 1961 in einen tiefen Gewissenskonflikt. Sie muss sich entscheiden, ob sie unter Inkaufnahme aller damit verbundenen Risiken zum Vater ihres Kindes nach Westdeutschland flieht oder aber in der DDR bleibt. Sie wählt die Flucht, mithin den Mann – und wird bitter enttäuscht.

Lippuner und PortFolio Inc. interessieren sich für diesen existenziellen Konflikt gewissermaßen auf eine übergeordnete Art und Weise: Sie nehmen anhand des Monologdramas, das der Schauspieler Michael F. Stoerzer auf der Bühne im Alleingang schultert, die „Weitergabe von Biografien durch Eltern an ihre Kinder“ in den Fokus. Wie wird die Vorstellung von Heimat geprägt oder vorbestimmt? Und kann man sich von diesem Erbe befreien? Dieser Aufarbeitungsversuch deutsch-deutscher Geschichte aus der Sicht junger Leute, die erklärtermaßen zum Zeitpunkt der Wende nur ein unzureichendes Bild von dem hatten, was um sie herum passierte, klingt nach einem sinnvollen Beitrag zum denkwürdigen 50. Jahrestag des Mauerbaus im August.

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