SPIEL Sachen : Das soll ich sein?

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Wie sieht eigentlich der ideale Lebenslauf aus? Das fragen sich nicht nur Jobbewerber, die sich möglichst schnell in einen attraktiven Arbeitnehmerstatus katapultieren möchten. Auch Autobiograf/innen stricken – mal mehr, mal weniger bewusst – am optimalen Selbstbild. Nur: Wie sieht das perfekte Ego-Image eigentlich aus? Und welche Strategien benutzen die Schreibenden, um es zutage zu fördern?

Das Regieduo bigNOTWENDIGKEIT inszeniert in seinem vielversprechenden Projekt „turn the page“ im Theaterdiscounter die Selbst-Inszenierung (heute bis So, 20 Uhr). Um den verschiedenen Taktiken der Eigen-PR auf die Spur zu kommen, haben Anna K. Becker und Katharina Bischoff zunächst in den Hinterlassenschaften berühmter Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gestöbert. Marilyn Monroe zum Beispiel habe ihre Tagebucheinträge zur Selbstoptimierung genutzt, sagt Bischoff: Warnungen à la „Ich darf nie wieder unpünktlich sein!“ sind an der Tagesordnung. Ganz anders Roland Barthes: Der französische Philosoph und Schriftsteller brachte sich zwar in sämtliche seiner Werke – auch die theoretischen – selbst ein, habe sich dabei aber, so Bischoff weiter, nie wirklich „entdeckt“, geschweige denn entblößt. Neben den Selbstzeugnissen Pier Paolo Pasolinis kommt schließlich noch die Lebensgeschichte eines jungen Mannes ins Spiel, den es – zweifellos die ganz hohe Schule der Selbstinszenierung – de facto nie gegeben hat: JT LeRoy, dessen Bücher über Prostitution, sexuellen Kindesmissbrauch und Drogenkonsum als autobiografisch inspiriert galten, und der sich 2005 als eine von der Autorin Laura Albert geschaffene Kunstfigur herausstellte.

Um die Brücke zur Gegenwart zu schlagen, haben bigNOTWENDIGKEIT, die sich 2004 während des Studiums der Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen gründeten, schließlich nach den Tagebüchern einer Zeitgenossin gesucht: Die 1970 geborene Schauspielerin Lily A. dürfte nicht nur für die beiden jungen Regisseurinnen, sondern auch für den Großteil der Zuschauer am ehesten zur Identifikationsfigur taugen, wenn es darum geht zu hinterfragen, welche Ingredienzien für uns ein „gelungenes Leben“ ausmachen.

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