SPIEL Sachen : Im Theater der Reproduzierbarkeit

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Kasperl ist sauer: Seine Gattin hat ihn zum Fischekaufen geschickt, obwohl man vor Nebel die eigene Hand vor Augen nicht sieht. Auch die hupenden Schiffe im Hafen nerven gewaltig. Als dann noch der Rundfunkreporter Maulschmidt auf ihn zusteuert, ist das Maß voll: Kasperl brüllt seinen geballten Ärger ins Mikro und muss daraufhin vor der Polizei flüchten. Fortan kreuzen jammernde Chinesen, Kinderhorden und Explosionen seinen Weg.

„Radau um Kasperl“ hat Walter Benjamin sein 1932 entstandenes Hörspiel genannt. Und natürlich wird hier nicht einfach eine Geschichte erzählt, sondern vor allem das Medium selbst reflektiert: Ein Hörspiel über ein Hörspiel sozusagen.

Das umtriebige Kinder- und Jugendtheater an der Parkaue, das keine Scheu vor großen Denkern für ein junges Publikum kennt, hat diese unterhaltsame medientheoretische Produktion jetzt ausgegraben. „Radau um Kasperl“ ist das erste Hörspiel für Kinder und die einzige von Benjamins Rundfunk-Arbeiten, die als fragmentarisches Tondokument erhalten ist. Unter dem Titel Radau! (16. - 18. März., 10 Uhr; 20. März, 11 u. 16 Uhr) wird der Regisseur Thomas Fiedler ihr nun gleichsam eine Bühne geben und die Zuschauer ab sieben Jahren nicht nur in eine standesgemäße Klang- und Lärmwelt entführen, sondern – im Benjamin’schen Sinne – die Herstellung der Geräusche selbst zum Thema machen.

Flankiert wird die Premiere von einer ganzen Familien-Uni: Das Theater bietet am 19. und 20. März Labors zu verschiedenen Aspekten aus Leben und Werk Benjamins an, die die Kinder mitsamt Anhang für einen Familienpreis von 25 Euro besuchen können und die mit einer öffentlichen Präsentation enden. In einem Labor experimentieren sie zum Beispiel selbst als Hörspielregisseure unter Profi-Leitung mit Geräuschen. In einem anderen werden sie mit dem Tänzer und Choreografen Martin Clausen zu Benjamin’schen Flaneuren (Anmeldung bis zum 18. März unter den Telefonnummern 030 - 55 77 52/ -51/ -52 / -53 oder: besucherservice@parkaue.de).

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