Kultur : Splash!

Dem Kunst-Experimentator David Hockney zum 70.

Christina Tilmann

Er hat es immerhin geschafft, dass sich der „Playboy“ mit den Teppichmustern auf den Bildern des italienischen Renaissancemalers Lorenzo Lotto befasste. Als der britische Maler David Hockney im Jahr 2000 die These aufstellte, Künstler wie Caravaggio, van Eyck oder Velazquez hätten ihre Bilder mithilfe optischer Hilfsmittel wie konkaver Spiegel auf die Leinwand projiziert und abgemalt, entbrannte eine heftige Diskussion unter Kunsthistorikern. Vorwürfe wie „wissenschaftliche Fälschung“ und Dilettantismus gingen durch die Fachpresse, und im Hintergrund stand die Befürchtung, die Rolle des Künstlers auf die eines bloßen Kunsthandwerkers reduziert zu sehen.

Mit historischen Techniken experimentiert hat David Hockney schon immer – und sich Klassiker zum Vorbild genommen, wie er in seinem faszinierenden Buch „Geheimes Wissen“ erläutert (Knesebeck, 2001). Bei Porträtbildern, die er von Sammlern, Galeristen, Künstlerkollegen, Freunden und Museumswärtern anfertigt, bedient er sich einer Camera lucida, wie es schon der französische Porträtist Ingres tat. Auch die Leuchtkraft der Bilder eines Vermeer faszinierte den Maler, der mit strahlend blauen SchwimmbadBildern aus der Hitzewelt Kaliforniens bekannt wurde. In der Tate Britain ist gerade eine Ausstellung mit Turner-Aquarellen zu sehen, die David Hockney ausgewählt und kommentiert hat: Wasserfarbenmalerei, die er früher einmal als „Wischiwaschimedium für Sonntagsmaler“ abgetan hatte, taucht seit einigen Jahren verstärkt bei ihm auf. Parallel ist in der Sommerausstellung der Royal Academy sein jüngstes, größtes Werk zu sehen: 12 mal 4,5 Meter, Bäume am Wasser.

Der Popkünstler, der Lebenskünstler, der Erfolgskünstler: Hockney, der heute vor 70 Jahren in dem britischen Arbeiterort Bradford geboren wurde und seit den Sechzigern in Kalifornien lebt, gilt als einer der beliebtesten Künstler der Gegenwart – passionierter Raucher, bekennender Homosexueller und einer der reichsten Maler der Welt. Unlängst wurde sein Gemälde „The Splash“ für den Rekordpreis von 2,9 Millionen Pfund versteigert. Aber auch: Hockney, der Technikfex, der mit Computer, Kopierer und Faxgerät experimentiert, den Hilfsmitteln von heute, ebenso wie mit den Hilfsmitteln von damals. Leuchtende Oberfläche und minutiöse Tiefenforschung, bei David Hockney geht beides zusammen. Ein Neuerfinder. Ein Klassiker. Und populär dazu. Christina Tilmann

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