Kultur : Sprache und Töne

ALBRECHT DÜMLING

"Musikalische Akademie mit Frank Michael Beyer" am HanseatenwegVON ALBRECHT DÜMLINGFrank Michael Beyer vermag Musik zum Sprechen zu bringen.Zur Präsentation des ihm gewidmeten Akademie-Archivs widmete er sich Eigenem mit solcher Eloquenz, daß die Sprache fast zum Ersatz der Töne wurde.In der Reihe "Evolution of the Ear" stellte der Komponist sodann sein eigenes Wunschkonzert vor.Ihn interessierte dabei die Geschichtlichkeit des Verstehens.Wie reagierten beispielsweise Maurice Ravel und Igor Strawinsky 1913 auf Schönbergs "Pierrot lunaire"? Den Sprechgesang übernahmen sie nicht, wohl aber die solistische Kammerbesetzung.Das von Roland Kluttig geleitete Kammerensemble Neue Musik Berlin gestaltete die zarten Flageolett-Arpeggien mit ähnlicher Sensibilität wie zuvor die Konturen bei Strawinsky.Und die Sopranistin Hanna Dora Sturludóttir, die die japanischen Lieder mit instrumentalem Gestus gesungen hatte, machte bei den teilweise grotesken Mallarmé-Gesängen auch den Sprachrhythmus zum Element.Wieweit sich Beyers eigene Canciones für Klarinette solo und Kammerensemble (1991) ebenfalls auf den "Pierrot" beziehen, blieb offen.Die dreisätzige Komposition stellt an das gliedernde Ohr einige Anforderungen.Die Übereinanderschichtung verschiedener Aggregatzustände, etwa von gezogenen und verhuschten Stimmen, schien zu ihren Grundprinzipien zu gehören.Das Poetische wurde in der Musik des 20.Jahrhunderts, wie Beyer anmerkte, gegenüber dem Strukturellen vernachlässigt.Man darf zwar fragen, ob sich in "Spiegel Bilder" (1996) für Klarinette und Akkordeon der Beyer-Schülerin Isabel Mundry wirklich eine Märchenwelt offenbart.Unzweifelhaft aber besaß diese Wechselrede zweier Instrumente in ihrer Einfachheit starke Wirkung.

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