Kultur : Staatskunst

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Christina Tilmann über den Machtwechsel beim Hauptstadtkulturfonds

Der Konflikt ist alt: Der Staat gibt das Geld, aber die Kunst ist frei. Das ist grundgesetzlich so festgelegt (Artikel 5) und doch nicht unumstritten. Denn stets, wenn die Kunst politisch wird – und das wird sie, wenn man sie ernst nimmt, fast immer – wächst dieVersuchung für die Politik, das, was man finanziert, auch zu beeinflussen. So geschehen zuletzt bei der von den Berliner KunstWerken geplanten RAF-Ausstellung, für die der Hauptstadtkulturfonds im vergangenen Jahr Gelder zugesagt hatte, die er nach einer erregten Debatte zurücknehmen musste.

Die Konsequenz erfahren wir nun: Schon im vergangenen Sommer hatten Stimmen aus der Opposition gefordert, der Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds, Adrienne Goehler, das Alleinentscheidungsrecht darüber, welche Projekte zu fördern seien, zu entziehen. Argument: Es gäbe von Seiten des Staates zu wenig Kontrollmöglichkeiten. Nun haben sich der Bund und das Land Berlin darauf geeinigt, die Vergabepraxis zu reformieren. Eine Fachjury unter Vorsitz von Adrienne Goehler soll – wie bisher – die Projekte auswählen, die Entscheidung über die Finanzierung fällt jedoch in einer neu geschaffenen Kommission, die paritätisch von Bund und Berlin besetzt wird und in der die Kuratorin nur noch Beraterfunktionen hat.

Das ist – auch wenn Adrienne Goehler sich vornehm zurückhält – eine klare Entmachtung. Die bunte Vielfalt an Kulturveranstaltungen wird wohl wie bisher ihren Weg zu den Töpfen des Hauptstadtkulturfonds finden. Die Unabhängigkeit der Auswahl jedoch ist nicht mehr gewährleistet: Schon zuvor hatten die Kuratoren darüber geklagt, durch Vorentscheidungen der Politik zu sehr eingeschränkt zu werden, weil ein Teil der Gelder vorab für Großprojekte wie Peter Steins „Faust“ oder die Berliner Azteken-Ausstellung gebunden war. Repräsentation statt politischer Diskussion heißt nun die Richtung: Die neue Hauptstadtkultur wird eindeutig von der Politik bestimmt.

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