Kultur : Stefan Raab

Diese Woche auf Platz 2 mit: „Space Taxi“

Ralph Geisenhanslüke

Müssen wir langsam „Don“ zu ihm sagen? Stefan Raab wird schon länger als „Pate“ des deutschen Schlagers apostrophiert. Beim Grand Prix küsst man seinen Siegelring, seit er den altehrwürdigen Wettbewerb mit Guildo Horns „Piep“-Song entmottete. Raab hatte in den letzten 10 Jahren regelmäßig seine Top-10-Hits. Warum? Eine häufige Erklärung ist seine Machtposition als Fernsehunterhalter. Raab beherrscht neben den Tasten seines Keyboards auch die große Klaviatur der Medien und Trivialmythen. Auf die Frage nach der Formel seines Erfolgs sagte Raab dem „Stern“, sein Geschmack decke sich eben oft mit dem der Masse. Waddahaddedudeda? Maschendrahtzaungeschmack?

Natürlich ist Raabs Filmmusik für den Film „(T)Raumschiff Surprise“ Teil einer intergalaktischen Medienoffensive. Natürlich war der Erfolg berechenbar. Bully Herbigs Merchandising hat kosmische Ausmaße erreicht. Trotzdem hat das als Musiker überaus respektierte Multitalent Raab sich für den Soundtrack gewisse Finessen gegönnt. Es geht nicht nur im Tussi-Disco-Sound „eititei to the sky“ mit Spucky, Kork & Schrotty. Es geht auch höher hinaus auf „Dreamship Surprise“. Bei diesem Track singt und spielt niemand Geringeres als Bootsy Collins. Ein Name, bei dem Liebhaber von Funk und Soul mit der Zunge schnalzen. Bootsy Collins, das ist der Wunderknabe des P-Funk, der als Minderjähriger von James Brown engagiert wurde, bei George Clinton und vielen anderen seinen unnachahmlich-trockenen Bass spielte und der mit seinen schillernden Space-Outfits schon Science-Fiction- Funk gemacht hat, als Raab noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum lief. Ein Trip mit der Zeitmaschine.

Dürften wir damit mal kurz in die Zukunft reisen? Dort sitzt nämlich Darth Raab und lauert darauf, die letzten Bastionen des so genannten guten Geschmacks zu zerstören. Sogar einen eigenen „Song Contest“ will er veranstalten. Aber halt, das kommt erst in „Periode 2“.

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