Kultur : Sternzeichen

PANORAMA „Mechilot“ von Udi Aloni

Bodo Mrozek

David ist ein Wanderer zwischen zwei Welten. Einerseits ist er ein durch und durch moderner Mensch. Der junge Mann bewegt sich in New York zwischen hippen Clubs und der kulturellen Welt des Vaters und hätte eine glänzende Karriere vor sich. Doch David (Itay Tiran) kann sich mit seiner Heimat nicht identifizieren. Das Tattoo, das er über dem Herzen trägt, zeigt einen Davidstern – David ist gezeichnet.

Udi Alonis „Mechilot“ (Forgiveness) ist ein bemerkenswerter Film über Rache, Hass und Schuld, die neue Schuld gebiert. Sein Protagonist David sympathisiert mit dem radikalen Zionismus und meldet sich freiwillig zum Militärdienst in Israel. Doch auch im gelobten Land, wo junge Israelis gleichaltrige Palästinenser bei Kontrollen schikanieren, findet David keine Heimat. Als er eine junge Palästinenserin kennen lernt, scheint das Unglück programmiert. Wenig später fällt ein Schuss, und ein junges Mädchen liegt tot im Sand. David verliert sein Gedächtnis.

Der 46-jährige Udi Aloni hat weder einen gewöhnlichen Thriller um Gedächtnisverlust gedreht, noch will er den Alltag der israelischen Armee zeigen, wie es sein israelischer Regie-Kollege Eytan Fox vor vier Jahren in „Yossi & Jagger“ getan hat. „Mechilot“ ist ein dynamischer Film mit einer rasanten Handlung, die von einer theatralen Erzählebene gebrochen wird. Das Irrenhaus, in dem David vom israelischen Militär mit Drogen daran gehindert wird, sich an die eigene Schuld zu erinnern, ist ein Zwischenreich. Dort lebt Muselmann (Moni Moshonov), ein Holocaust-Überlebender, durch dessen scheinbar irre Reden eine seltsame Weisheit schimmert. Er gibt David eine zweite Chance. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Die Geschichte des Holocaust, die Gegenwart der jungen Generationen von Juden und Palästinensern: Alles fließt dabei ineinander, von einer hervorragenden Kamera (Paul Hond) in traumwandlerische, teils poetische Bilder übersetzt. Dabei neigt der Film zur symbolischen Überfrachtung: Die Pistole, mit der David ein palästinensisches Mädchen bedroht, ist eine alte Luger der deutschen SS; die Fundamente der israelischen Heilanstalt sind das Massengrab eines palästinensischen Dorfes; eine Wahrsagerin hängt den Schlüssel zur Erinnerung um den Hals eines palästinensischen Kindes.

Dennoch sticht „Mechilot“ positiv heraus. Er übt erstaunlich radikale Selbstkritik und träumt einen naiven Traum in einem der komplexesten Konflikte der Welt: den von Vergebung und Versöhnung.

Heute 22.30 Uhr (Colosseum 1), 18. 2., 15 Uhr (Cinestar 3)

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