Steuerrebellion : Steuermann, halt die Wacht

Als hätten wir nicht schon genug Probleme, ruft Peter Sloterdijk zum "antifiskalischen Bürgerkrieg" auf. Eine Fiskusblüte von Kai Müller.

Kai Müller

Wenn der Staat den Leuten im großen Stil Geld stehle (um dann noch mehr Geld auszugeben, das er gar nicht hat), müsse der Bürger zum Steuerrebellen werden, so Sloterdijks kleinbürgerliche Argumentation in der „F.A.Z.“. Da sehe ich unsereins schon zum Finanzamt laufen und empört auf den Tisch hauen: „Ich will mein Geld zurück!“

„Das geht nicht“. Der Sachbearbeiter mit aufgeknöpftem Hemdkragen und Zierpflanze zwischen den Akten schaut nicht einmal auf. „Ich hab’s nicht“.

„Sloterdijk meint, Sie hätten’s?“

„Hat der bei uns eine Steuernummer?“

„Sie nehmen mir die Hälfte meines Eigentums weg, sagt er. Und zwar jedes Jahr wieder. Sie beklauen mich so systematisch, dass ich es gar nicht merke.“

„Eigentum verpflichtet.“

„Wozu?“

„Zum Ausgeben. Wenn Sie abschreibungsfähige Anschaffungen tätigen, komme ich Ihnen entgegen.“

„Aber ich habe doch gar nichts. Ich müsste Schulden machen. Was kriege ich dafür? Staatsschulden noch oben drauf.“

„Schulden sind nicht schlimm. Betrachten Sie sie als negatives Guthaben. Darüber hinaus hätten Sie auch ein Guthaben bei mir. Und gönnen Sie sich was. Haben wir alle was von.“

Er lächelt sanft, vertieft sich wieder in seine Zahlen. Beim Hinausgehen höre ich den Steuermann sagen: „Sie wollen den Staat hintergehen? Dann füllen Sie Ihre Steuererklärung aus.“

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