Kultur : Steve Coleman: Gischtspritzer

Roman Rhode

Fünf Sinne besitzt der Mensch, fünf Zacken der Stern der Kabbala, die Bibel kennt die fünf Bücher Mose - und Steve Coleman hat bisher fünf Bands ins Leben gerufen: The Mystic Rhythm Society, Renegade Way, Metrics, The Secret Doctrine und die Five Elements. Pardon, da gibts ja auch noch den Council Of Balance, mit dem Coleman vor ein paar Jahren tatsächlich die biblische Genesis vertont hat! Damit erhöht sich die Zahl seiner Bands auf Sechs: ein symbolischer Hinweis auf die übermenschliche Kraft des Schöpfungswerks?

Zum Auftakt der "Blue Nites" im Tränenpalast erscheint der Musiker allerdings mit seinen Five Elements, die ein Septett bilden. Steve Coleman, der Esoteriker unter den Altsaxofonisten, will die natürlichen Rhythmen des Universums zu Gehör bringen und hat sich auf die Suche nach den Grooves dieser Welt begeben. Im Booklet seines aktuellen Albums "The Ascension to Light" firmieren daher nicht nur Instrumentalisten, sondern auch jemand, der für "Philosophy" zuständig ist. Doch live wirkt Coleman keineswegs so abstrakt und schrill wie etwa der spät geläuterte John Coltrane.

Das liegt zum einen am meditativ-melodischen Klang von Steve Colemans Saxofon, das manchmal von zwei strahlenden Trompeten unisono flankiert wird. Andererseits sorgen Sean Rickman an den Drums, Anthony Tidd am Bass und der Kubaner Jesús Díaz an den Congas für einen Drive, der ebenso gewaltig wie entspannt daherkommt. Und aus den rollenden Rhythmuswogen erfrischen die sparsamen Harmonien des Pianisten Andy Milne wie die Gischtspritzer aus tosender See. Gut, dass Coleman und seine Band dieses Mal vor allem die afrokubanischen Gottheiten beschworen haben. Denn die zeigen sich kopflos, vergnügt, tanzbesessen - und lassen fünfe gerade sein.

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