Kultur : Stiller Trommler

Der Filmproduzent Franz Seitz ist gestorben

Peter W. Jansen

Noch einmal kurz im Schnelldurchlauf: „Das schwarz-weiß-rote Himmelbett“ und „Der junge Törless“, „Der Meineidbauer“ und „Dr. Faustus“, „Die Lümmel von der ersten Bank“ und „Der Zauberberg“ ... Das passt niemals zusammen. Bei ihm aber passte es. Denn für Franz Seitz waren literarischer Ehrgeiz und finanzieller Erfolg, Kunst und Kommerz noch untrennbar verbunden. Er war Filmproduzent aus Leidenschaft. Selbst seine ehrgeizigsten Unternehmungen mussten sich rechnen. Mindestens einigermaßen.

Dem am 22. Oktober 1921 als Sohn des Regisseurs Franz Seitz senior in München geborenen Junior war das Kino in die Wiege gelegt. Schon als Zehnjähriger soll er im Tonfilm-Debüt des Vaters, einer Militärkomödie, auf der Mundharmonika gespielt haben: „Wer will unter die Soldaten“. Wenige Jahre später musste er es und kam schwer verwundet von der Ostfront zurück. Es folgten ein Versuch als Maler und ein Volontariat als Filmarchitekt, ehe er bei einem Film des Vaters als Produzent mitwirkte.

Seither hat Franz Seitz eine Reihe von Produktionsfirmen gegründet, zum Beispiel Ariston-Film, die Roberto Rossellinis „Angst“ (nach der Novelle von Stefan Zweig) ebenso mitproduzierte wie G.W. Pabsts Widerstandsdrama „Es geschah am 20. Juli“. Auch als Chef der Franz Seitz Filmproduktion mit ihren zahlreichen Heimat- und Lausbubengeschichten blieb er den neuen Entwicklungen des europäischen Films verbunden. Als Volker Schlöndorff seinen Erstling „Der junge Törless“ hergestellt hatte und nicht wusste, wer denn die Filmmusik machen sollte, machte Seitz ihn mit Hans Werner Henze bekannt. Mit Schlöndorff zusammen feierte er dann seinen größten Triumph, als es für „Die Blechtrommel“ den Oscar gab.

Wo immer es ihm notwendig erschien, hat Seitz sich als Drehbuchautor mit eingebracht, zumal als er daran ging, Thomas Mann zu verfilmen. Beim „Dr. Faustus“ führte er auch selbst Regie. Dennoch blieb ihm als Regisseur der Ruhm versagt, der ihm als Produzent für das deutsche Kino gewiss ist.

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