Streit zwischen Halle und Magdeburg : Der Kampf der Kulturen

#culturebeef: Wie sich Halle und Magdeburg um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" kebbeln - und warum das Energieverschwendung kein könnte

Julius Heinrichs
Kultur und Halle (Saale) gehören zusammen. Die Kunsthalle des Kunstvereins Talstraße (hier die aktuelle Ausstellung " Jean Lurçat - Meister der französischen Moderne") ist ein Beweis dafür. Aber gehören Kultur und Magdeburg zusammener? Der Streit wird's zeigen.
Kultur und Halle (Saale) gehören zusammen. Die Kunsthalle des Kunstvereins Talstraße (hier die aktuelle Ausstellung " Jean Lurçat...Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Sherlock Holmes wäre gelangweilt, gäbe es Moriarty nicht. Gleiches gilt für Bernd das Brot ohne Chilli das Schaf. Ein ebenbürtiger Gegner, der regelmäßig ans eigene Bein pinkelt, hält den Kreislauf in Schwung. Gut also, dass die Stadt Halle (Saale) in Magdeburg einen würdigen Antagonisten gefunden hat. Vor 26 Jahren setzte sich die Elbmetropole als Landeshauptstadt durch. Seitdem ist Knatsch zwischen den Städten, befeuert von chronischen Minderwertigkeitskomplexen auf Hallescher Seite. Wenn man schon nicht Landeshauptstadt ist, dann wenigstens Kulturhauptstadt, brüstet sich die einwohnerstärkere Saalestadt. Nun jedoch beansprucht Magdeburg auch noch diesen Titel für sich und bewirbt sich um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2025“. In der Mitteldeutschen Zeitung sprach Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper Halle sogar ab, jemals Kulturhauptstadt gewesen zu sein: „Es gibt keine Kulturhauptstadt in Sachsen-Anhalt.“

Das war hart. Klar, dass Halle so etwas nicht auf sich sitzen lassen konnte. Eine Woche dauerte die Schock-Erholung und Überprüfung des Waffenarsenals. Dann die Ansage: Auch Halle will sich um den Titel der Kulturhauptstadt bewerben. Zumindest wird Oberbürgermeister Bernd Wiegand, ebenfalls parteilos, das vorschlagen. Mehr zu bieten habe man. Bereits bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2010 kam die Stadt ins Halbfinale. Seither habe man dazugelernt.

Magdeburg hat vier Millionen, Halle noch keinen Plan

Magdeburg holte sogleich zur verbalen Ohrfeige aus: "Was diese selbsternannte Kulturhauptstadt da macht, interessiert mich überhaupt nicht", sagte Oberbürgermeister Trümper der Magdeburger Volksstimme.

Bereits zuvor hatte der Hallesche CDU-Chef Marco Tullner Zweifel geäußert, ob sich Magdeburg überhaupt bewerben dürfe. Schließlich sei der Titel Kulturhauptstadt bei der Gründung Sachsen-Anhalts so etwas wie der Trostpreis für Halle gewesen.

Dabei war längst besprochen, dass die Landesregierung Magdeburg bei seiner Bewerbung unter die Arme greift. Das Bewerbungsvorhaben der Landeshauptstadt nämlich ist seit 2011 in Planung. Kulturminister Rainer Robra (CDU) betonte laut Evangelischem Pressedienst, dass Halle eine solche Hilfe nicht zuteil werde. Zumal: Magdeburg richtete bereits ein Büro sowie ein 4-Millionen-Euro-Budget ein, um die Bewerbung bis 2019 voranzutreiben. Halle dagegen will erst nach der Entscheidung um die Bewerbung darüber nachdenken, was man denn eigentlich so wolle.

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Halle ist nicht Magdeburgs größter Konkurrent

Mittlerweile hat der Streit sogar einen eigenen Twitter-Hashtag. Unter #culturebeef wettern Nutzer mal gegen die eine, mal gegen die andere Stadt, am häufigsten jedoch gegen beide. Was dabei gerne unter den Tisch fällt: Im Wettbewerb um die Kulturhauptstadt sind noch weitaus titelverdächtigere Städte. Dresden, Nürnberg, Würzburg, Stralsund, Kassel, Mannheim und Chemnitz wollen sich ebenfalls bewerben.

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